Cornelia Goethe Centrum

Prof. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaft)

 

Prof. Vinzenz Hediger © Felicitas von Lutzau

„Viele Dinge ändern sich im gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb, aber es gibt auch Konstanten. Dazu gehört die Wirkung, die Laura Mulveys Essay „Visual Pleasure and Narrative Cinema“, erstmals publiziert 1975 und nach wie vor einer der grundlegenden Texte einer feministischen und genderkritischen Filmtheorie, bei Erstsemestern im Kurs ‚Einführung in die Filmwissenschaft‘ erzielt. Kein anderer Text erzielt eine vergleichbare Resonanz, mit keinem anderen Text setzen sich Jahr für Jahr so viele Hausarbeiten auseinander. Ob die Studierenden nun den psychoanalytischen Unterbau des Arguments plausibel finden oder nicht, die zentrale These des Textes und das Problem, das er benennt, leuchtet offenbar weiterhin unmittelbar ein: Die These nämlich, dass der Blick im Mainstream-Kino männlich kodiert sei und Frauenfiguren als Funktion männlichen Begehrens und männlicher Ängste entweder überhöht dargestellt oder herabgewürdigt werden, jedenfalls aber in ihrem Handlungsvermögen einem männlichen Blick- und Raumregime unterliegen. Dass dieser Text auch nach vier Jahrzehnten, und in den letzten Jahren spürbar mehr, so wirkt, als wäre er gestern geschrieben worden, zeigt an, wie dringend genderkritische Ansätze in der Wissenschaft weiterhin gebraucht werden, aber auch, dass Gender Studies sich verstehen lassen als eine Form des geduldigen Bohrens sehr dicker Bretter.“

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