Cornelia Goethe Centrum

Lucinda Evans

Lucinda Evans (Nicky Newman, 2019)

Lucinda Evans ist seit über zwanzig Jahren aktiv gegen die Gewalt an Frauen und Kindern in Südafrika. Lucinda Evans wurde während der Apartheid in Kapstadt geboren und gehört zur „coloured population“ von Südafrika. Die Gruppe der coloureds ist während der Kolonialzeit in Südafrika durch das Zusammentreffen von europäischen Siedlern und den Ureinwohnern Südafrikas, den KhoiSan, entstanden.

Lucinda hat die Anfänge ihrer Kindheit im Viertel „District Six“ in Kapstadt verbracht, bis sie während den sogenannten „forced removals“ während der Apartheid wie viele unzählige „nicht-weiße“ Menschen mit ihrer Familie aus der Innenstadt Kapstadts in die umliegenden Townships vertrieben wurde. Lucindas Leben wurde also schon früh geprägt durch Rassendiskriminierung und ist in einem von Gewalt geprägten Umfeld groß geworden. Sie lebt auch heute noch in Lavender Hill, einem in der Apartheid entstandenen Township in den Cape Flats, gemeinsam mit ihrem Mann Franklin und ihren beiden Kindern Caitlin und Liam.

Lavender Hill gilt bis heute noch als eine der gefährlichsten Regionen in Kapstadt, in der durch Gangkriminalität, Drogen- und Waffenhandel und Missbrauch an Frauen und Kindern eine sehr hohe Kriminalitätsrate herrscht. Seit 2008 führt Lucinda ihre eigene NGO „Philisa Abafazi Bethu“, die Frauen und Kinder unterstützt, die Opfer von Häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen und Missbrauch jeglicher Art sind. Die Organisation hat mehrere Nachmittagsprogramme für vernachlässigte Kinder und Jugendliche, eine Selbsthilfegruppe für Frauen, eine Gruppe für missbrauchte Seniorinnen aus der Region und ist außerdem Anlaufstelle für jede Frau in Not. Philisa Abafazi Bethu hat sich über die Jahre so sehr vergrößert, dass Lucinda mittlerweile drei Sozialarbeiterinnen fest eingestellt hat, die die Frauen und Kinder aufnehmen, sie beraten und sie zu Gerichtsterminen etc. begleiten. Ihr Team besteht aus aktuell 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unter denen zwei Frauen sind, die dank Lucinda Soziale Arbeit studieren und sich somit für Philisa Abafazi Bethu weiterbilden konnten.

Weiterhin hat Lucinda Evans 2012 das erste Notfall-Frauenhaus im gesamten Western Cape aufgemacht, dass alle Frauen (unabhängig von Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Krankheiten bzw. Drogenproblemen) aufnimmt und ihnen einen Zufluchtsort bietet. Über die Jahre musste Lucinda Evans häufig für das Überleben ihrer Organisation kämpfen, da ihre Arbeit von der südafrikanischen Regierung bis heute nicht unterstützt wird und sie dementsprechend auf Spenden dringlich angewiesen ist.

Weiterhin ist Lucinda auch politisch aktiv und hat schon viele Protestaktionen in Südafrika angestoßen und verbreitet, so ist sie zum Beispiel die Initiatorin des „One Billion Rising South Africa“ movements und war maßgeblich an der Initiierung der aktuellsten Protestaktion „Am I Next? / #amInext?“ beteiligt, in der Menschen aus ganz Südafrika gegen die zunehmende sexualisierte Gewalt in Südafrika protestieren.

Für ihren Aktivismus wurde Lucinda Evans schon häufig ausgezeichnet. Sie hat 2016 beispielswiese den französischen Verdienstorden „Ehrenlegion“ (Légion d’honneur) von der französischen Botschafterin verliehen bekommen, und wurde im Oktober 2019 von BBC News unter die 100 einflussreichsten Frauen der Welt gewählt.

Text: Laura Hartmann

Inhalt