Cornelia Goethe Centrum

Cornelia Goethe Colloquien im Wintersemester ’20/21

Die Cornelia Goethe Colloquien sind ein offenes Diskussionsforum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Interessierte* sind herzlich eingeladen!

In diesem und im folgenden Semester stehen die Colloquien unter dem Titel:

Intersektionalität im Kreuzfeuer?

‚Intersektionalität‘ ist ein Konzept, das den Blick auf die Kreuzung (engl. ‚intersection‘), Verflechtung oder Wechselwirkung verschiedener Ungleichheitsverhältnisse richtet. Entwickelt wurde dieser Ansatz, um soziale Platzanweiser wie ‚race‘, ‚class‘ und ‚gender‘ in ihrer Verschränkung sichtbar zu machen. Am Kreuzungspunkt wird Diskriminierung unsichtbar, so die Kritik Schwarzer Frauen. Die Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw zeigte dies am für dieses Konzept paradigmatischen Fall DeGraffenreidt vs General Motors (1976). Schwarze Frauen hatten gegen ihre Entlassung geklagt, die General Motors nach dem Prinzip „last hired, first fired“ vornahm, da sie überproportional betroffen waren. Nach der Argumentation von General Motors, der das Gericht folgte, lag hier keine rassistische Diskriminierung vor, da Schwarze Männer nicht ebenfalls überproportional betroffen waren und es lag keine Geschlechtsdiskriminierung vor, da weiße Frauen ebenfalls nicht überproportional betroffen waren. Dass Schwarze Frauen – im Unterschied zu weißen – erst ab 1964 eingestellt worden waren, fand keine Berücksichtigung.

Seit einigen Jahrzehnten werden Intersektionalitätsdebatten in globalen feministischen wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen geführt. Mithilfe rassismuskritischer, post- und dekolonialer Perspektiven werden Analysen von komplexen Unterdrückungsverhältnissen vorgenommen, um auf dieser Grundlage Gerechtigkeitspolitiken zu begründen, Handlungsstrategien und neue Methodologien zu entwickeln. Intersektional zu denken und zu handeln, ist dabei mehrfach begründet: durch den Ausschluss Schwarzer Frauen, durch das Antidiskriminierungsrecht und durch die Notwendigkeit einer Revision von wissenschaftlichen, feministischen Politiken und Erkenntnistheorien. Wissenschaftliche Analysen und die Frage sozialer Gerechtigkeit sind in intersektionalen Ansätzen folglich verknüpft.

In Deutschland haben insbesondere die Interventionen Schwarzer, jüdischer, migrierter und lesbischer Frauen an diese internationalen Debatten angeschlossen und damit wichtige Impulse für die wichtige Impulse für die Diskussion um Mehrfachdiskriminierung gesetzt. Den Mittelpunkt intersektionaler Einsätze bildet ein „doppelter Blick“ auf Unterdrückungsverhältnisse und Privilegien einerseits und auf die Bedeutung von Othering-Prozessen andererseits. Diese zeigen sich etwa in der Konstruktion der Figur der Dritte-Welt-Frau als gewissermaßen notwendigem und gleichzeitig verworfenem Gegenbild des modernen westlichen Feminismus.

Die in der internationalen Intersektionalitätsdebatte entfalteten Analyseansätze weisen eine Engführung feministischer Politik und Forschung, bei der Gender als Masterkategorie fungiert, zurück und nehmen stattdessen die historisch und gesellschaftlich je spezifischen sozialen Benachteiligungsfaktoren in den Blick (Sexualität, soziale Klasse, Race/ Ethnizität, ableism, Zugehörigkeit etc). Als Gegenstände intersektionaler Zugänge können die Ko-Konstitution von Macht- und Herrschaftsverhältnissen und die damit verbundenen Hervorbringungen von Subjektivierungen, Handlungsmöglichkeiten und –begrenzungen und ihren Folgen für individuelle Lebenslagen beschrieben werden. Eine zentrale Frage in diesem Zusammenhang ist auch, wie sich in dieser Perspektive das Subjekt eines politischen Feminismus und einer feministischen Wissenschaft denken lässt.

In dieser Vortragsreihe werden aktuelle Debatten aufgegriffen, die sich sowohl auf den erkenntnistheoretischen Status von Intersektionalität als auch auf Potenziale und Grenzen für einzelne Disziplinen beziehen; darüber hinaus wird die Frage diskutiert, wer mit dem Intersektionalitätskonzept arbeiten kann: Stellt Intersektionalität eine Theorie, eine Heuristik oder eine Methodologie dar? Wem ‚gehört‘ das Konzept? Wie wird es im Rahmen der Sozial- und Erziehungswissenschaften, der Disability Studies und der Rechtswissenschaft heute verwendet? Und können/ sollten Schwarze Wissenschaftler*innen das Konzept aufgrund seiner identitätspolitischen Herkunft anders für sich beanspruchen als weiße?

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verlegen oder abzusagen. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter

Cornelia Goethe Colloquien im WiSe ’20/21

Veranstalterin

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Bettina Kleiner, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Zeit und Ort

jeweils mittwochs, 18-20 Uhr c.t. (synchron) bzw. (asynchron) ab dem angekündigten Vortragsdatum
auf der CGC Webseite und dem CGC YouTube-Kanal verfügbar.

Der Eintritt ist frei!

Hier geht es zum Download des Programmheftes.
Layout: Miguel Pardo, Grübelfabrik

 

Zum Titelmotiv

© Mwanel Pierre-Louis ‚The Moments of These Moments‘ (2019), Acrylic on Wood Panel.

MWANEL PIERRE-LOUIS  is a contemporary artist based out of Miami, FL. His work combines realism and abstraction in a narrative that draws from personal interactions and pop references. Mwanel‘s paintings feature juxtapositions of fragmented experiences and a strong emphasis on the relationship between subject and color. Born in New York City, from Haitian descent, he‘s spent time living and absorbing the culture from New York, Miami, and Los Angeles. Pierre-Louis attended the New World School of the Arts‘ high school program in Miami, Florida, and Art Center College of Design‘s illustration program in Pasadena, California. Now, he’s submerged into the New Contemporary Art scene. His clients include several transnational enterprises.

Website: www.mwanel.com

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen:

Einzeltermine

28
Apr
18:15 bis 19:45
Online
28.04.21

Der Vortrag Islamischer Feminismus im Horizont des Genderdiskurses von Katajun Amirpur (Universität zu Köln) findet am 28.04.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Islamischer Feminismus im Horizont des Genderdiskurses

Vortragssprache: Deutsch

Islam und Feminismus gelten in den Medien häufig als per se verschieden und auf keinen Fall vereinbar. Diese Ansicht wird auch von Islamkritiker*innen oft geäußert. Ähnlich wie Muslim*innen keine Demokrat*innen und nicht für Menschenrechte sein können, so diese Auffassung, könnten sie auch kaum Feminist*innen sein, da ihnen dies ihr Glauben verbiete.

Die Gegner*innen des feministischen Projekts im Islam teilen sich in drei Kategorien auf: Erstens, Islamische Fundamentalist*innen. Zweitens, muslimische Traditional-ist*innen. Drittens, säkulare Fundamentalist*innen. Trotz ihrer großen inhaltlichen Unterschiede haben sie eines gemeinsam: sie alle hängen einem essentialistischen und historischen Verständnis des Islams an, sie suchen, um die Diskussion zu besiegeln, Koranverse und Überlieferungen des Propheten und reißen diese aus dem Kontext.

Dennoch gibt es viele Frauen, die ihr Streben nach Gleichberechtigung gerade mit dem Koran begründen. Für sie ist nicht der Koran frauenfeindlich, sondern Männer, die den Koran Jahrhunderte hinweg zu ihren eigenen Gunsten gedeutet haben. Deshalb machen diese Frauen Männern heute das Deutungsmonopol streitig.

Diese Bewegung des islamischen Feminismus ist in den 90er Jahren in Iran entstanden. Inzwischen ist diese Gegenbewegung, der islamische Feminismus, international vertreten, auch in Deutschland. Zwar wird darüber gestritten, ob der islamische Feminismus tatsächlich als feministisch bezeichnet werden kann. Aber er ist islamisch jedenfalls in dem Sinne, als Feminismus explizit aus den islamischen Quellen heraus begründet wird.

Katajun Amirpur

KATAJUN AMIRPUR ist Professorin für Islamwissenschaft an der Universität zu Köln. Zuvor lehrte sie an den Universitäten Hamburg und Zürich. Forschungsschwerpunkte: Reformdiskurse im Islam, Islam und Gender, Schiitischer Islam und iranische Geistesgeschichte. Als freie Journalistin schreibt sie für bedeutende Tageszeitungen. 2018 erhielt sie den Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Ort & Zeit

28.04.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 28.04.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/

Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

5
Mai
18:15 bis 19:45
Online
05.05.21

Der Vortrag On High Heels and Face-Veils: The Ambivalent Gendered Racialization of Muslims in the Netherlandsvon Annelies Moors (University of Amsterdam, Niederlande) findet am 05.05.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

On High Heels and Face-Veils: The Ambivalent Gendered Racialization of Muslims in the Netherlands

Vortragssprache: Englisch

If face-veils are considered a sign of women’s oppression because only women wear them, what about high heels? The strongly affective responses that this rhetorical question evoked, are my starting point to analyze how Muslims in the Netherlands have become racialized and how such processes of racialization are gendered. Focusing on face-veiling, I trace how this sartorial practice has, in Foucauldian terms, become problematized (that is, turned into a problem in need of governmental intervention), and explore how the women concerned relate to this.

Theoretically, I use the concept of racialization as a multilayered and relational process of embodied differentiation. Racialization both produces the Muslim and the non-Muslim (‘the Dutch self’) as inverse mirror images of each other, and differentiates in various ways between the acceptable and non-acceptable Muslim. These processes of racialization have a long history, as part of nation-state formation and the governance of (post-)colonial populations. Yet they are also ambivalent and unstable. As my analysis indicates, face-veiling women are problematized both as victims of their own men (in need of saving) and as provocateurs, rejecting central Dutch values, while sartorial practices are evaluated in terms of ‘free choice’ (high heels) or ‘by force’ (face veils) depending also the positionalities of the wearers.

ANNELIES MOORS is an anthropologist and professor emerita of contemporary Muslim societies at the University of Amsterdam. She studied Arabic in Syria and has done fieldwork in Palestine, in Yemen and in the Netherlands. She has written about migrant domestic labor, Muslim dress and fashion, marriage and gold, Muslim family law, and the racialization and securitization of Muslims.

Ort & Zeit

05.05.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 05.05.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

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Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

12
Mai
18:15 bis 19:45
Online
von 12.05.21 bis 21.05.21

Der Vortrag Von Haremsfantasien zum „Geburten-Dschihad“. Sexualisierte Orient- und Islamdiskurse im historischen Vergleich von Ozan Zakariya Keskinkılıç (Alice Salomon Hochschule Berlin) findet am 12.05.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Von Haremsfantasien zum „Geburten-Dschihad“. Sexualisierte Orient- und Islamdiskurse im historischen Vergleich

Vortragssprache: Deutsch

Erotische Haremsfantasien und koloniale Repräsentationen über einen als passiv, unterlegen und weiblich imaginierten ’Orient‘ in Kunst und Literatur sind im Orientalismus identitätsstiftend und erfüllen zugleich legitimatorischen Zweck, um Europas Expansion und Eingriff in den Peripherien zu begründen. Im Vergleich erscheinen hypermaskuline und hypersexualisierte Islambilder in zeitgenössischen Integrations- und Migrations-Debatten als Vehikel, um Grenzregime innerhalb Europas zu stabilisieren. Im Vortrag rückt Ozan Zakariya Keskinkiliç die Rolle von Geschlechter- und Sexualitätsvorstellungen im Orientalismus und antimuslimischen Rassismus ins Zentrum. Er beleuchtet exotisierte Blickregime und dämonisierte Tropen der Unterwanderung und zeichnet so den Prozess der Rassifizierung von ’Oriental:innen’ und (als) Muslim:innen (Markierten) als Kontrastfolien für Projekte der Ausgrenzung, Kontrolle und Dominanz nach.

OZAN ZAKARIYA KESKINKILIÇ ist Politikwissenschaftler und freier Autor. Er forscht und lehrt u.a. zu (antimuslimischem) Rassismus, Antisemitismus, Orientalismus und jüdisch-muslimischen Beziehungen. 2018 brachte er den Sammelband „Fremdgemacht&Reorientiert. jüdisch-muslimische Verflechtungen“ heraus. 2019 erschien sein Buch „Die Islamdebatte gehört zu Deutschland. Rechtspopulismus und antimuslimischer Rassismus im (post-)kolonialen Kontext“. twitter/instagram: @ozkeskinkilic

Ort & Zeit

12.05.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 12.05.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/

Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

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2
Jun
18:15 bis 19:45
Online
02.06.21

Der Vortrag Frauenbewegungen im Maghreb in post-revolutionären Zeiten. (Neue) Kämpfe um Geschlecht und Sexualität von Tanja Scheiterbauer (Goethe Universität Frankfurt) findet am 02.06.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Frauenbewegungen im Maghreb in post-revolutionären Zeiten. (Neue) Kämpfe um Geschlecht und Sexualität

Vortragssprache: Deutsch

Frauenbewegungen im Maghreb haben sich ebenso wie zahlreiche neue und alte soziale Bewegungen durch und mit den (post-)revolutionären Prozessen 2011 stark gewandelt. Die Region hat heute 10 Jahre nach den Revolutionen verschiedene Rekonfigurationen neoliberal autoritärer Staatlichkeit, islamistischer Kräfte und militaristischer geopolitischer Interventionen erfahren, in denen neue kollektive Akteur*innen und Mobilisierungen entstanden sind. Geschlechterpolitischer Aktivismus zeichnet sich durch Protestformen, Bewegungspolitiken und -diskurse aus, die nicht nur soziale Ungleichheiten aufzeigen und Gerechtigkeit einfordern, sondern auch die autoritären Staaten und neoliberale Politikformen herausfordern, indem gesellschaftliche Gewaltverhältnisse aufgezeigt werden. Geschlecht, Geschlechterverhältnisse und Sexualität sind dabei zu zentralen Austragungsorten sozialer Kämpfe um eine post-revolutionäre Gesellschaftsordnung avanciert. In dem Vortrag wird diesen Entwicklungen von geschlechterpolitischen und feministischen Aktivismen nachgegangen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen Kontexten des Maghreb zu verdeutlichen und zu fragen, wie in diesen Kämpfen das Verhältnis von Geschlecht, Politik und Islam artikuliert wird.

TANJA SCHEITERBAUER ist Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. am Arbeitsschwerpunkt Global South – Feminisms and/from the Global South. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen soziale Bewegungen, Staat und Geschlechterpolitiken im Maghreb und im Mashrek, Islamismusforschung sowie postkolonial/dekolonial-feministische Theorien. In ihrem Postdoc-Projekt befasst sie sich mit Widerstand und sozial-ökologischen Transformationen im Maghreb.

Ort & Zeit

02.06.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 02.06.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/

Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

9
Jun
18:15 bis 19:45
Online
09.06.21

Der Vortrag Intersektionalität in der interventionsbasierten Forschung am Beispiel der muslimischen Zivilgesellschaft von Meltem Kulaçatan (Goethe Universität Frankfurt) mit einem Kommentar von Davide Torrente (Goethe Universität Frankfurt) findet am 09.06.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Intersektionalität in der interventionsbasierten Forschung am Beispiel der muslimischen Zivilgesellschaft

Vortragssprache: Deutsch

In diesem Vortrag wird das Projekt Fem4Dem im Kontext der muslimischen Zivilgesellschaft in Deutschland vorgestellt. Der Schwerpunkt des Projekts Fem4Dem liegt dabei auf muslimischen Frauen und auf der Jungen- und Männerarbeit. Es richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen auf kommunaler Ebene, die hinsichtlich ihrer Identität, ihrer Selbstorganisation und ihrer Zielgruppen von Akteur*innen ausgerichtet werden, die sich selbst als »muslimisch«, als »migrantisch« und als »selbstorganisiert« positionieren.

»Interventionsbasiert« bedeutet so viel wie »am konkreten Handeln, an der konkreten Umsetzung, an der Anwendung orientiert«. Die Grundidee des Forschungsprojekts ist, dass gerade junge Muslim*innen in den partizipativen Handlungsfeldern der Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle in der universellen Prävention gegen Radikalisierung leisten. Gegenwärtig entstehen in allen Regionen Deutschlands auf kommunaler Ebene viele Initiativen von muslimischen Frauen* und Männern*, die sich demokratiebildend und damit präventiv positionieren.

Demgegenüber lässt sich der neue muslimische Mann identifizieren, der partnerschaftlich und egalitär an die Seite der Frau tritt und einen Teil dieser Arbeit übernimmt. Dazu gehört auch die Perspektive von Organisationen, die Queer- und Transmenschen adressieren, jedoch aus dem Raster der primär binär kodierten muslimischen und migrantischen Wahrnehmung herausfallen. Das gilt sowohl für die intra-muslimische Binnenperspektive als auch für die Außenwahrnehmung.

Im Vortrag sollen die wichtigsten Forschungsaspekte auf Basis intersektionaler Überlegungen und Umsetzungen vorgestellt und diskutiert werden. An den Vortrag folgt ein Kommentar, der die Bezüge zur kritischen Männlichkeitsforschung innerhalb des Projekts in den Blick nimmt.

MELTEM KULAÇATAN ist Erziehungs- und Politikwissenschaftlerin. Sie studierte Islamische Religionslehre und Politikwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und war im Herbstsemester 2017 Gastprofessorin am Religionswissenschaftlichen Seminar an der Universität Zürich in der Schweiz. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Jugend, Islam, Migration, Gender und Feminismus sowie Islam, Nationalismus und Bildung in der zeitgenössischen Türkei.

DAVIDE TORRENTE hat Interkulturelle Bildung, Migration und Mehrsprachigkeit an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe studiert. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Fem4Dem am Fachbereich für Erziehungswissenschaft en an der Goethe-Universität. Dort setzt er sich mit Teilhabe(möglichkeiten) von Männern* und Vätern* mit muslimischem Selbstbezug an zivilgesellschaftlichen Prozessen auseinander. Bisherige Forschungsschwerpunkte sind Subjektivationsprozesse vor dem Hintergrund von Fluchterfahrungen und Diskriminierungserfahrungen.

Ort & Zeit

09.06.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 09.06.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

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Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

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23
Jun
18:15 bis 19:45
Online
23.06.21

Der Vortrag Muslimisch-Queere Momente von Ali Ghandour (Universität Münster) findet am 23.06.2021 statt.
Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Muslimisch-Queere Momente

Vortragssprache: Deutsch

Untersuchen wir die Geschichte, die Literatur oder die Theologien der muslimisch geprägten Gesellschaften, dann stellen wir fest, dass die Heteronormativität nicht immer die Norm war. Denn wir finden zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Phänomene, die aus heutiger Perspektive als queer bezeichnet werden können. Diese Phänomene stellen ihrerseits unsere Auffassungen von Geschlecht, Gender und Sexualität im muslimischen Kontext infrage. Der Vortrag mit dem Titel “Muslimisch-Queere Momente” möchte einen Einblick in diese Vielfalt gewähren, die im heutigen Diskurs über Islam und Muslime entweder ignoriert oder vergessen wird.

ALI GHANDOUR wurde 1983 in Casablanca geboren. Er studierte von 2004 bis 2009 an der Universität Leipzig Arabistik und Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Islamwissenschaft. Von 2012 bis 2017 wurde er in der Islamischen Theologie im Rahmen des Graduiertenkollegs Islamische Theologie promoviert. Außerdem studierte er von 2014 bis 2017 am Tibetischen Zentrum Hamburg den systematischen Buddhismus. Zurzeit ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Ort & Zeit

23.06.2021, 18-20 Uhr c.t. Um Anmeldung für das Webinar wird gebeten.
Die Aufzeichnung ist ab dem 23.06.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/

Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

7
Jul
18:15 bis 19:45
Online
07.07.21

Die Podiumsdiskussion  Islam und Geschlecht: Ein kritischer Blick auf Narrative des anti-muslimischen Rassismus mit Saba Nur Cheema (Bildungsstätte Anne Frank), Harpreet Cholia (GFFB), Schirin Amir Moazami (FU Berlin), Michael Tunç (HAW Hamburg) moderiert von Anne Chebu findet am 07.07.2021 statt.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Islam und Geschlecht: Ein kritischer Blick auf Narrative des anti-muslimischen Rassismus

Vortragssprache: Deutsch

SABA-NUR CHEEMA, geb. 1987, ist Politikwissenschaftlerin, pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank & Dozentin an der Frankfurt University of Applied Sciences. Zu Ihren Veröffentlichungen gehören u.a. „Trigger Warnung. Identitätspolitik zwischen Abschottung, Allianzen und Abwehr“ (2019, als Herausgeberin mit Berendsen/Mendel), „(K)Eine Glaubensfrage. Religiöse Vielfalt im pädagogischen Miteinander. Grundkenntnisse und praktische Empfehlungen für Schule und außerschulische Bildungsarbeit“ (2017).

HARPREET CHOLIA ist Soziologin und arbeitet in den Bereichen kritische Migrationsforschung, Feminismus, Diversität, Antirassismus und Antidiskriminierung. Derzeit leitet sie den Bereich Diversität und Demokratie bei der GFFB in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie die Vorstandsvorsitzende des Hessischen Flüchtlingsrates. Außerdem arbeitet sie als freie Beraterin für die Opferberatungsstelle „Response Hessen“ und ist Mitherausgeberin von dem Buch: „Unentbehrlich – Solidarität mit Betroffenen Rechter, Rassistischer und Antisemitischer Gewalt“. Sie ist aktiv bei der Initiative 19. Februar Hanau.

SCHIRIN AMIR-MOAZAMI lehrt als Professorin für Islam in Europa am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie ist außerdem PI an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, PI am Exzellenzcluster Constestations of the Liberal Scripts sowie Sprecherin des Berlin University Alliance Projekts “Beyond Social Cohesion. Global Repertoires of Living Together” (RePLITO). Ihren PhD erwarb sie in Politik- und Sozialwissenschaften am Europäischen Hochschulinstitut Florenz. Sie forscht, lehrt und publiziert zu kritischer Säkularismusforschung, Körperpolitiken, islamsicher Praxis in europäischen Öffentlichen und Politiken der Wissensproduktion.

MICHAEL TUNÇ ist Dipl. Soz. Päd., Professur für Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft , HAW Hamburg: seit 09/2020. 2017/2019: Professur-Vertretung HS Darmstadt (Soziale Arbeit). 2016/2017: Wiss. Mitarbeiter TH Köln, Koordination Promotionskolleg „Leben im transformierten Sozialstaat.“. 2013 und 2014: Wiss. Mitarbeiter im ZfTI Essen, Projektleitung “Praxisforschung für nachhaltige Entwicklung interkultureller Väterarbeit in NRW”.

Anne Chebu © Tanja Kibogo

Moderation:
ANNE CHEBU arbeitet als Moderatorin und Journalistin fürs HR-Fernsehen und ZDF. Seit Jahren engagiert sie sich gegen Rassismus u.a. in der „ISD – Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ und bei den „Neuen Deutschen Medienmacher*innen“. 2014 erschien ihr Buch „Anleitung zum Schwarzsein“. Es ist ein Buch für afrodeutsche Jugendliche und handelt u.a. von Schwarzer deutscher Geschichte, Alltagsrassismus und Begriffichkeiten.

Ort & Zeit

07.07.2021, 18-20 Uhr c.t.
Die Aufzeichnung ist ab dem 07.07.2021auf der Homepage des CGC und dem YouTube-Kanal des Centrums abrufbar.

Aktuelle Hinweise zu den Colloquien und COVID-19

Aufgrund der derzeit unabsehbaren Entwicklungen von COVID-19 behält sich das Cornelia Goethe Centrum vor, Veranstaltungen kurzfristig zu verschieben. Bitte informieren Sie sich vor Veranstaltungsbeginn über Zeitpunkt, Ort und Format der Colloquien unter:

https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/

Veranstalter*in

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Meltem Kulaçatan, Helma Lutz, Marianne Schmidbaur
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!