Cornelia Goethe Centrum
Amina Mama - Foto: Kim Powell

„»African Feminism«: Amina Mama übernahm im Sommersemester die Angela Davis Gastprofessur“ – Bericht aus dem UniReport 05/18

Makda Isak und Bilge Cömert, Studierende der Goethe-Uni, über die Gender-Forscherin.

Fünf Jahre, nachdem das »Cornelia-Goethe-Zentrum« die Angela Davis Gastprofessur ins Leben gerufen hat, kam im Sommer 2018 nun zum dritten Mal eine international renommierte Gastprofessorin an die Goethe-Universität. Die Gender-Forscherin und feministische Aktivistin Amina Mama gab intensive Einblicke in ihre Arbeit über »African Feminisms«, die Theorie und Praxis afrikanischer Feminismen.

Transnationaler Feminismus

Ein Ziel der Gastprofessur ist es, die internationalen Gender und Diversity Studies an der Goethe-Universität zu stärken und die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit in diesem (marginalisierten) Bereich zu fördern. Wie ihre beiden Vorgängerinnen, die Professorinnen Angela Davis und Chandra Mohanty, versteht sich auch Amina Mama als eine transnationale Feministin, die Aktivismus und Wissenschaft in ihrer Arbeit verbindet. Sie gehört in beiden Feldern zu den wichtigsten Protagonist_innen afrikanischer Feminismen und lehrt aktuell an der University of California, Davis. Zuvor arbeitete Amina Mama über 10 Jahre an der University of Cape Town, wo sie nach dem Ende der Apartheid maßgeblich an der Gründung des African Gender Institute, dem größten Gender Studies Institut auf dem afrikanischen Kontinent, beteiligt war. Ihre Forschungsschwerpunkte zu African Feminisms beschäftigen sich u.a. mit Rassismus und Subjektivitäten Schwarzer Frauen sowie der Verbindung von Militarismus, Gewalt und Geschlechterverhältnissen. Mama ist Gründerin und Herausgeberin des Journals Feminist Africa, das vom African Gender Institute publiziert wird und das erste Journal im Bereich der Gender Studies ist, das von afrikanischen Akademiker_innen herausgebracht wird. Feminist Africa ist somit die Plattform für die Diskussion von Theorie und Praxis afrikanischer Feminismen und hat in den letzten 10 Jahren stark zur Vernetzung von Feminist_innen auf dem afrikanischen Kontinent beigetragen.

In ihrem Auftaktvortrag präsentierte Amina Mama erstmals für ein europäisches Publikum eine historisch und politisch kontextualisierte, transnationale Analyse postkolonialer Geschlechterverhältnisse in Ghana, Uganda und Zimbabwe. Sie betonte, wie wichtig es für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei, dass Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen vom afrikanischen Kontinent ihre empirischen und epistemischen Perspektiven vortragen und somit nicht nur (westliche) Forschung über Afrika, sondern feministische Forschung aus Afrika als Wissen anerkannt wird. Parallel dazu beschäftigte sich das Blockseminar Democratizing research? Activism and the Activation of Research u. a. mit genau diesen „Feminist Africans“, die versuchen, an afrikanischen Universitäten Gender Studies nachhaltig zu institutionalisieren. Amina Mama hob hervor, dass immer schon bedeutende Feminist_innen auf dem afrikanischen Kontext aktiv waren, diese aber häufig aus der Geschichte herausgeschrieben wurden. Dagegen setzt Mama auf die Methode des feminist archive, welches zur Aufzeichnung und Sicherstellung von verdrängtem feministischen Wissen betragen soll. Auch die Arbeit des Journals Feminist Africa ordnet sie als Arbeit derartigen Widerstandes gegen sexistisch und rassistisch geprägte Machtstrukturen ein.

Bedeutung von Erfahrung für Herstellung von Wissen

Uns als Studierende hat vor allem die feministische Pädagogik Mamas angesprochen. Durch autobiografische Übungen hat sie es geschafft, eine Gemeinschaft im Seminarraum herzustellen, wie wir dies aus Frankfurter Seminarkontexten bisher nicht kannten. So diskutierten wir z.B. intensiv darüber, wie bedeutsam Erfahrungen für die Herstellung von Wissen und damit differente Erfahrungspositionen als Ressource des Wissens sind. Diese Perspektive hat uns als Schwarze Studierende und Studierende of Color sehr bekräftigt. (Rassistische) Machtdynamiken, welche für uns Alltag an der Universität sind, haben wir im Blockseminar nicht wahrgenommen. Dies zeigte, dass eine klare Haltung seitens der Lehrenden notwendig ist, um eine, auch für Studierende mit Diskriminierungserfahrungen, möglichst sichere Seminaratmosphäre zu schaffen. Das von Studierenden of Color initiierte Vernetzungstreffen für People of Color ermöglichte über den Seminarkontext hinaus einen Austausch über anti-rassistische und feministische Strategien im aktivistischen und akademischen Kontext, die für uns als Studierende of Color unabdingbar sind.

Kontinuitäten und Traditionen

In ihrem zweiten Vortrag spannte Mama einen Bogen und stellte Teile ihres feminist archive vor. Es zeigte die Kontinuitäten der gewaltvollen Unterdrückung von Frauen als Teil des kolonialen Projekts und die fortschreibende Aberkennung von afrikanischen Frauen als Wissensproduzent_innen und politische Akteur_innen auf. Sie verdeutlichte, dass die Anerkennung dieser feministischen Tradition von (angehenden) Akademiker_innen aus dem Globalen Norden zwingend erforderlich ist.

Ein besonderer Moment war letztlich die Vorführung und Diskussion des Films The Witches of Gambaga, den Amina Mama produzierte. Er lässt ghanaische Frauen zu Wort kommen, die als Hexen bezeichnet und von ihren Familien und Dörfern verstoßen wurden, und zeigt auf, wie zerstörerisch dieser Glaube für das Leben der Frauen ist.

Die Gastprofessur hat für uns innerhalb der Universität einen besonderen Stellenwert. Sie trägt zur Vermittlung von feministischen, anti-kapitalistischen und anti-rassistischem Wissen bei, zu dem es sonst im Frankfurter Unialltag wenig Zugang gibt. Darüber hinaus ermöglicht die Gastprofessur die Bildung und Stärkung transnationaler Netzwerke zwischen Lehrenden, Studierenden und Aktivist_innen aus Frankfurt und den Orten, denen sich die Gastprofessorinnen verbunden fühlen. Durch die Thematisierung von afrikanischen Feminismen, die besondere Pädagogik und die Vernetzungsarbeit wurde deutlich, wie wichtig die Präsenz, der Aktivismus und die Forschung von Professor_innen of Color und Schwarzen Professor_innen ist. Wir hoffen, dass diese Perspektiven und Möglichkeiten durch weitere Angela Davis Gastprofessor_innen an der Goethe Universität verstärkt werden.

Makda Isak und Bilge Cömert sind Studierende der Soziologie und Politikwissenschaft an der Goethe-Universität.

Der Artikel ist erschienen im Unireport 5_2018.

Hier kann der Unireport 5_2018 vom 11. Oktober 2018 heruntergeladen werden.