Cornelia Goethe Centrum

#4genderstudies: Prof. Helma Lutz im Interview

 

Prof. Helma Lutz © Renate Hoyer

Welche Bedeutung haben die Gender Studies für Ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit?
Die Gender Studies betrachten einerseits Geschlecht/erdifferenzen als ein in der Gesellschaft tief verwurzeltes soziales Ord- nungsprinzip und ermöglichen gleichzeitig, Gender in seiner gesamten Vielfalt von Sexualität, Identität und Zugehörigkeit zu erforschen. Für mich ist es wichtig die Verknüpfung von Gender mit anderen gesellschaftlichen Platzanweisern, wie soziale Klasse, ‚Race‘/Ethnizität, Staatsbürgerschaft, Alter, Religion, ‚Kultur‘ in den Blick zu nehmen. Im Zentrum meiner Forschungs- tätigkeit und Lehre steht die intersektionale Analyse sozialer Ungleichheiten und damit die Frage welcher Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund von Geschlecht und der Abwertung und Benachteiligung aufgrund von sozialer Klasse, Herkunft, Religion, Alter etc. besteht. Diese Perspektive erforsche ich momentan am Beispiel der aktuellen Care-Debatten etwa in Bezug auf die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern aber auch zwischen Einheimischen und Migrant*innen. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit und Anerkennung interessiert mich auch bei der Erforschung anderer Phänomene, etwa der transnationalen Familienführung von Migrant*innen aus Ost- europa oder der Identitätsbildung junger Musliminnen.

Welche gesellschaftliche Bedeutung haben die Gender Studies?
Gender Studies sind ein multi-disziplinäres Feld, in dem ein ständiger interdisziplinärer Austausch stattfindet. Keine ange- messene Gesellschaftsanalyse kann heute auf die Erkenntnisse der Gender Studies verzichten, denn die Wirkmächtigkeit von Geschlecht/erverhältnissen steht im Schnittpunkt institutioneller sowie rechtlicher Zwänge, normativer Muster und individu- ellem Verhalten und beeinflusst den gesamten Lebenslauf aller Gesellschaftsmitglieder.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz:
Die Gender Studies sind wichtig, weil…
Die Gender Studies sind wichtig, weil sie die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ins Zentrum von Forschung und Lehre stellen.

Prof. Helma Lutz ist seit 2015 geschäftsführende Direktorin des Cornelia Goethe Centrums und seit 2007 Professorin am Schwerpunkt Frauen und Geschlechterforschung des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Gender Studies, transnationale Migrationsforschung, Intersektionalitätsforschung, Rassismus- und Ethnizitätsforschung, Qualitative Forschungsmetho- den und Biographieforschung. Aktuell leitet sie das DFG-Projekt „Decent Care Work? Transnational Home Care Arrangement“. Dieses Projekt befasst sich mit den Arbeitsbedingungen in der 24-Stunden-Pflege in Privathaushalten, die zum großen Teil von MigrantInnen erbracht wird.

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