Cornelia Goethe Centrum

Grußwort von Vizepräsident Prof. Schleiff zur Eröffnung von GRADE Center Gender

Sehr geehrte GRADE Gender Gründungsmitglieder,
liebe TeilnehmerInnen der aktuell stattfindenden internationalen Summer School zum Thema „Gendering (In)formal Social Protection: Gender, Migration and Resistance“,
liebe Promovierende und Studierende,
sehr geehrte Mitglieder des CGC Förderkreises und Kooperationspartnerinnen,

ich möchte Ihnen die herzlichsten Glückwünsche des gesamten Präsidiums zum heutigen Festakt anlässlich der Gründung des GRADE Centers Gender übermitteln. GRADE Gender ist das erste Zentrum, welches nach der neuen Ordnung von GRADE gegründet wird und hat schon jetzt seine Spuren hinterlassen, so ist Prof. Lutz gleich im GRADE Vorstand aktiv geworden.

Meine Damen und Herren, GRADE Gender ist das logische I-Tüpfelchen einer historischen und strategischen Entwicklung. Gender Studies und Geschlechterforschung sind integraler Bestandteil der Forschung an Goethe-Universität Frankfurt am Main und seit über 30 Jahren ein besonderes Merkmal des Profils unserer Universität. Die Gender Studies sind verankert in der Tradition der Frankfurter Schule kritischer Gesellschaftstheorie und ihrer Kritik, sind ein Beispiel für eine natürlich gewachsene interdisziplinärer Forschung, leben aktiv den internationalen Austausch und Kooperationen und sind nicht zuletzt verankert in der Region Rhein-Main.

Entsprechend dieser Bedeutung für das Profil der Goethe Universität wurde 1997 das Cornelia Goethe Centrum unter dem Namen „Zentrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse“ gegründet. Den Namen erhielt das Zentrum dann 2000, anlässlich des 250. Geburtstags von Cornelia Schlosser, geb. Goethe. Seither werden viele wissenschaftliche Aktivitäten in und an diesem Zentrum durchgeführt. Das konstante Interesse an diesen Forschungsfragen führte vor drei Jahren zur Konzeption und Umsetzung des B.A. Nebenfachs Gender Studies. Seit der Einführung des Studiengangs vor zwei Jahren bewerben sich ca. 350 Studieninteressierte auf die 30 zu vergebenen Plätze. Das zeigt einmal mehr: Die Goethe-Universität ist ein sehr attraktiver Standort, um hier Gender Studies zu studieren und zu be- und erforschen. Somit ist das jetzt gegründete GRADE Center Gender ein logischer und konsequenter Baustein dieser Forschungsstrategie.
Was ist eigentlich der Gegenstand Ihrer täglichen Arbeit, liebe Studierende, liebe Promovierende und liebe Kolleginnen und Kollegen?
In meiner Wahrnehmung geht es in der Geschlechterforschung um Kernfragen unserer Gesellschaft: Wie sieht geschlechtliche Arbeitsteilung aus und wie kann Arbeit gerecht verteilt werden? Wer sorgt für wen und wie kann man sich Sorge und Fürsorge in Zukunft vorstellen? Wie greifen verschiedene Ungleichheitsdimensionen wie „Geschlecht“, „Ethnizität“ und „soziale Herkunft“ ineinander und was bedeutet das für die Einschätzung gesellschaftlicher Entwicklungen und die Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte?

Bei der Beantwortung dieser Fragen sind Gender Studies und Geschlechterforschung sowohl Querschnitts- als auch Schwerpunktthemen.
Als Querschnittsthemen sind Gender Studies in allen Forschungsfeldern relevant, z.B. bei den Fragen, wie wird Wissen generiert, welche Traditionen oder Fokusfelder werden wahrgenommen und welche Ausschlüsse werden reproduziert?
Als Schwerpunktthemen fokussieren Gender Studies Grundsatzfragen, z.B.: Wie werden „Geschlechter“ sozial und symbolisch hergestellt? Wie sind heteronormative Normen in Gesellschaften und Kulturen eingebettet? Wie sind Geschlechterverhältnisse weltweit durch hierarchische Strukturen geprägt? Und: Wie ist Veränderung möglich?

Meine Lieben Damen und Herren, ich trage sicher Eulen nach Athen, wenn ich an dieser Stelle betone, dass unter dem Eindruck der Herausforderungen aus derzeitigen Migrationssituation,  aus politischen Tendenzen, welche durch Trump, Le Pen und Petri gesetzt werden, aus der in einigen Ländern wie Russland staatlich verordneten Homophobie die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Gender Studies und Geschlechterforschung eher zu- als abgenommen hat. Und dieser gesellschaftlichen Debatte stellen Sie sich im CGC, im BA Nebenfach und zukünftig auch im GRADE Center Gender.
Das GRADE Center Gender baut auf etablierten Strukturen des interdisziplinären Cornelia Goethe Centrums für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse in Kooperation mit GRADE auf. Es wird der Bedeutung der Gender Studies sowohl als Querschnittsperspektive wie auch als eigenständigem Forschungsschwerpunkt durch eine Vielzahl von Veranstaltungen Rechnung tragen.
Dabei wird GRADE Gender auf interdisziplinäre und transdisziplinäre Forschung abzielen und internationale sowie transnationale Perspektiven berücksichtigen.
GRADE Gender wird sich mit unterschiedlichen Angeboten an Doktorand*innen, Habilitand*innen sowie für fortgeschrittene Masterstudierende richten.
Dazu wird GRADE Gender mit den Programmlinien „Herausforderungen der Geschlechterforschung“ und „Reflexionsraum Methoden“ starten und eine inhaltliche Unterstützung bieten sowie die Vernetzung der Wissenschaftler*innen in der frühen Berufsphase mit renommierten Geschlechterforscher*innen fördern.
Damit erhalten Sie, liebe Wissenschaftler*innen in der frühen Berufsphase, eine fantastische Entfaltungsmöglichkeit, in dieser spannenden Lebensphase ihren Forschungsinteressen nachzugehen und diese kreativ zu entfalten.
Last but not least bringe ich auch eine gute Nachricht mit: Auf Basis einer noch abzuschließenden Zielvereinbarung wird das Präsidium GRADE Gender für vier Jahre, neben der Unterstützung des Centers durch GRADE Support, mit 25.000,-€ jährlich fördern.

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen eine wunderbare Feier und einen guten Start in ein GRADE Center Leben! Genießen Sie die beginnende Abkühlung.

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