Cornelia Goethe Centrum

Cornelia Goethe Colloquien im SoSe ’18: Feminisms from the Global South

Räume eröffnen zur feministischen Auseinandersetzung um gegenwärtige Krisenlagen, Wissensökonomien, Konzepte und Praxen von Solidarität, intersektionale und transnationale Analysen von Unterdrückung sowie dekoloniale Perspektiven auf Weltpolitik – das war Anspruch und Idee der CGC-Colloquiumsreihe „Feminisms from the Global South“ im Sommersemester 2018. Den roten Faden der Vorträge bildeten Fragen nach Potenzialen, Trennlinien und Kontroversen feministischer Epistemologien. Diese wurden immer auch in Bezug gesetzt zu Verhältnissen von Wissenschaft und Aktivismus sowie normativen Fragen nach den Möglichkeiten globaler Gerechtigkeit und transnationaler feministischer Solidaritäten.

von Esther Franke und Rwada Khaled

Im Rahmen der von Uta Ruppert, Tanja Scheiterbauer und Helma Lutz konzipierten Colloquiumsreihe sprachen Sumi Madhok (London School of Economics), Rirhandu Mageza-Barthel und Uta Ruppert (Goethe Universität Frankfurt), Ayse-Gül Altinay (Sabanci Universität Instanbul), Djamila Ribeiro (State School of Education of São Paulo) sowie Amina Mama (UC California Davis).

Mit ihrem Vortrag „On Doing Feminist Theory from the ‘Global South’: the Double-edged Swords of Agency and Rights“ brachte Sumi Madhok die zentrale Auseinandersetzung der Reihe auf den Punkt. Ihre Frage “where do you look and what do you see”, die die permanente Selbstreflektion feministischer Forschung einfordert, sollte sich durch alle Vorträge ziehen. Thematisch zeigte sie dies mit ihrer Forschung zum umstrittenen Status von Agency und Rechten in Graswurzelbewegungen in Südostasien.

Rirhandu Mageza-Barthel und Uta Ruppert forderten mit ihrem Vortrag „South-South Feminisms as a Challenge to Solidarity Narratives in the 21st Century“ Solidaritätsnarrative im neuen China-Afrika-Diskurs heraus. Sie argumentieren in ihrer Forschung zu Strategien und Positionen südafrikanischer Feministinnen, dass der Diskurs hauptsächlich zwischen Regierungen stattfindet und für Frauenbewegungsakteurinnen wenig emanzipatorisches Potenzial bietet.

Ayse-Gül Altinays praxeologisch orientierter Vortrag „Doing Feminism and Gender Studies in Dark Times“ zeigte anhand von Strategien aktueller Frauenbewegungen in der Türkei auf, wie auch in vermeintlich dunklen Zeiten Lebendigkeit in den Vordergrund gestellt werden kann. Somit stehe die hegemoniale Macht nicht permanent im Zentrum politischer Auseinandersetzungen, sondern wird durch feministische Praxen und Lebensweisen in ihre Schranken gewiesen. Altinay präsentierte ihre eigene genealogische Forschung zu Frauenbewegungen in der Türkei als epistemische Umsetzung und Sichtbarmachung des politischen Plädoyers, Lebendigkeit in den Vordergrund zu stellen.

Djamila Ribeiros Vortrag „Postcolonial Black and Native Brazilian Women’s Movement in Brazil between Africanism and Feminism: What are they about?” stellte die institutionellen Grenzen Schwarzer Frauen* in Brasilien als post-kolonialen Staat, in dem koloniale Strukturen weiterwirken, heraus. Sie knüpfte allerdings an Praxen der Lebendigkeit an und forderte einen Afro-lateinamerikanischen Feminismus, der alternative Gesellschaftsmodelle gegen strukturelle Unterdrückung aus den Peripherien heraus entwickelt. Dieser sei auf transnationale Solidarität angewiesen.

Amina Mama, Angela Davis Gastprofessorin 2018, betonte im abschließenden Vortrag der Reihe „In the Pursuit of Freedom: Feminist intellectuals in African contexts“ den Zusammenhang zwischen Kolonialismus als gewaltvollem, vergeschlechtlichten Projekt der Unsichtbarmachung und der Notwendigkeit gerade Frauen* als Wissenproduzent*innen und politische Akteur*innen in den Vordergrund zu stellen. Dazu präsentierte sie Teile des kollektiv produzierten Archivs zu Frauen* in afrikanischen Kontexten.

Die Reihe zeigte auf eindrückliche Weise, wie epistemische und politische Perspektiven in Verbindung gesetzt werden müssen, um in komplexen Zeiten zu transnational-feministischen Analysen, Forderungen und Möglichkeiten der Solidarität beizutragen.

Die stets überaus gut besuchten Colloquien ermöglichten Zusammenkünfte verschiedener Menschen in und außerhalb der Universität. Sie stärkten den Wunsch der Studierenden nach mehr und dauerhaften feministischen, intersektionalen und dekolonialen Lehrangeboten.

Radwa Khaled studiert Politikwissenschaft im Master an der Freien Universität Berlin. Esther M. Franke studiert den Master Politische Theorie an der Goethe Universität Frankfurt.

Eine ausführlichere Zusammenfassung finden Sie auf der Seite des iz3w.

Weitere Informationen zu der Reihe finden Sie auf der Seite des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften.

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