Gefördert von der EU im 6. Rahmenprogramm
Wissenschaftlicher Beirat:
Univ.-Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Prof. Dr. Dorothee Frings
Projektkoordinatorin:
Dr. Maria Kontos, IfS Frankfurt am Main
Projektmitarbeiterin:
Ana-Violeta Sacaliuc
Laufzeit:
2006 bis 2008
Weitere Informationen:
http://www.femipol.uni-frankfurt.de/
Das Forschungsprojekt untersucht den Beitrag von Expertinnen und Organisationen der Flüchtlingsarbeit zur Integration von weiblichen Flüchtlingen in Deutschland. Den analytischen und theoretischen Rahmen dieser Untersuchung bilden die Diskurse über Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. In diesem Zusammenhang fragt das Projekt nach den Zielen und Auswirkungen des konkreten Handelns zivilgesellschaftlicher AkteurInnen im Feld der Asylpolitik auf Integrationsdiskurse und die alltägliche Praxis kommunalen Handelns. Empirisch untersucht werden individuelle, soziale, rechtliche und institutionelle Bedingungen professioneller wie ehrenamtlicher Arbeit im Feld der Flüchtlingshilfe am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main. Ziel des Forschungsprojektes ist es, neue Erkenntnisse über konkretes Handeln, Einflussmöglichkeiten und Integrationschancen von zivilgesellschaftlichen Akteuren im Bereich Asyl, Menschenrechte und Geschlecht zu entwickeln. Im Dreieck Staat, Markt und Zivilgesellschaft wird letzterer eine konfliktvermittelnde und ausgleichende, eine Gemeinschaft stiftende und integrierende Rolle zuerkannt. Zugleich betont die Forschung die Partizipationsfunktion von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement. Doch gibt es bislang fast keine Aufschlüsse über Alltagspraxen und konkrete zivilgesellschaftliche Beiträge im Feld der Asylpolitik. Diese Lücke scheint uns um so dringender zu bearbeiten als wir die Flüchtlingsarbeit als eine bedeutungsvolle Arena gesellschaftlichen Konflikts betrachten, in der mit Standards der Menschenrechte und sozialen Praxen der Anerkennung zugleich auch normative Grundlagen des gesellschaftlichen Ganzen verhandelt werden. Diese Prozesse aus einer Geschlechterperspektive zu analysieren, verspricht Erkenntnisse über die Verschränkung von politisch, rechtlich und sozio-kulturell bestimmten Grenzziehungen zwischen Ausschluss, Diskriminierung und Integration bzw. zwischen Illegalität, Statuslosigkeit und Legalität zu gewinnen. Das zentrale Anliegen des Forschungsprojektes ist es, das Wissen über Integrationsansätze in diesem im mehrfachen Sinne "randständigen" Bereich der Migration und des zivilgesellschaftlichen Engagements zu verbreitern und Chancen der Integration analytisch auszuloten. Zugleich werden mit der Rekonstruktion dieser Prozesse auch Entwicklungen der Menschenrechtsbildung nachvollzogen, die für weitere Bildungsarbeit fruchtbar gemacht werden können.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Projektleitung:
Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser
Prof. Dr. Uta Ruppert
Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Brigitte Kubisch M.A.
Laufzeit:
1.7.2006 bis 31.12.2006
Kontaktadressen:
Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser
Tel.: 069/798-28174, E-Mail: B.Friebertshäuser@em.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Uta Ruppert
Tel.: 069/798 22061, E-Mail: ruppert@soz.uni-frankfurt.de
Das Vorhaben, die Geschichte der Sozialen Frauenschulen zu erforschen, geht aus dem Projekt über "Pionierinnen der empirischen Sozialforschung im Wilhelminischen Deutschland" hervor. Dieses im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1143 geförderte Projekt untersucht personenbezogen den Beitrag der Pionierinnen Elisabeth Gnauck-Kühne, Gertrud Dyhrenfurth, Rosa Kempf und Marie Bernays zur empirischen Sozialforschung. Die weiterführende Projektphase soll schwerpunktmäßig während des Wilhelminischen Kaiserreichs entstandene außeruniversitäre Ausbildungs-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen der bürgerlichen Frauenbewegung, die so genannten Sozialen Frauenschulen, untersuchen. Ziel ist es, am Beispiel des "Seminar(s) für soziale Berufsarbeit" in Frankfurt am Main und der "Soziale(n) Frauenschule" in Mannheim die Gründung und Etablierung der Sozialen Frauenschulen im Wilhelminischen Deutschland und der Weimarer Republik aufzuzeigen und ihre Entwicklung während des Nationalsozialismus zu untersuchen. Die Konzeption und disziplinäre Entwicklung der im Rahmen der Sozialen Frauenschulen angebotenen Ausbildungs- und Studiengänge zur sozialen Berufsarbeit im Spannungsfeld zwischen Professionalisierung und Verwissenschaftlichung einerseits und Vergesellschaftung und Verstaatlichung andererseits sollen erforscht werden. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der geschlechtsspezifischen Arbeitsorganisation der Wissensproduktion und die Verortung der Sozialen Frauenschulen im nationalen Wissenschaftsgefüge.
Gefördert von der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1143 "Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Deutschland im internationalen Zusammenhang im späten 19. und 20. Jahrhundert: Personen, Institutionen, Diskurse"
Projektleitung:
Prof. Dr. Ute Gerhard
Projektmitarbeiterin:
Marion Keller
Laufzeit:
1. Juni 2007 - 31. Mai 2009
Kontakt:
Together with Anne Pauwels of the University of Western Australia I edited Vol. IX (Language and Communication: Diversity and Change) of the Series Handbooks of Applied Linguistics (HAL) to be published by de Gruyter (2007). This international project will be a major reference work, whose 9 volumes will provide a comprehensive coverage of the field of Applied Linguistics (AL).
The project is based on an understanding of AL as a problem-oriented and problem-solving discipline. AL is not interpreted as a reduction of (theoretical) linguistics, nor as simply "applying" linguistic theories and methodologies. Rather, the assumption is that AL is actively involved in the development of innovative theoretical approaches as well as practical solutions, drawing on insights from linguistics, but also neighbouring disciplines such as psychology, anthropology, and sociology. The Handbook-series focusses explicitly on the question in which way AL may contribute to the identification, description and solution of real world problems which manifest themselves (also) on the level of language and communication. In Vol. IX, gender will be one issue among many others.
Kontakt:
Marlis Hellinger
Hellinger@em.uni-frankfurt.de
Jugendliche bearbeiten ihr sexuelles Heranwachsen in der Gegenwartsgesellschaft in und mit Hilfe kultureller Körperpraktiken. Diese Praktiken sind imaginäre Strategien, mit denen sie sich in Bezug zu ihrer sozialen Geschlechtsgruppe, der Erwachsenen-Generation und den gesellschaftlichen Normen und Regeln setzen. Der erprobende Umgang mit der gesellschaftlichen Bewertung von weiblicher Sexualität spielt dabei eine wichtige Rolle und genau dies kommt sowohl in den meisten Erklärungsansätzen als auch in den empirischen Beschreibungen kaum und zum Teil gar nicht vor.
Im Rahmen der Studie werden deshalb folgende Fragen bearbeitet:
Projektleitung:
Prof. Dr. Katharina Liebsch
Projektmitarbeiterin:
Dr. Inge Schubert, Dr. Marga Günther
Laufzeit:
Oktober 2007 bis Oktober 2008
DFG-finanziertes Forschungsprojekt über die Migrations- und Versorgungskette in und aus Osteuropa nach Deutschland. Dieses Projekt ist Mitglied des Forschungsverbundes: Migration and Networks of Care in Europe. A Comparative Research Project, das in Zusammenarbeit mit drei europäischen Universitäten im Rahmen des EUROCORE Programms der European Science Foundation durchgeführt wird.
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektleitung:
Prof. Dr. Helma Lutz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Ewa Palenga-Möllenbeck
Laufzeit:
2007-2010
Kontaktadressen:
Prof. Dr. Helma Lutz
Tel.: 069/798-22053, E-Mail: Lutz@soz.uni-frankfurt.de
Das Phänomen AD(H)S gilt als eine neuartige, moderne Krankheit. Sie betrifft überwiegend ein Geschlecht und eine Generation: Jungen heute im Alter von 7 bis 10 Jahren. Die gängigen Aussagen über Krankheiten und Diagnosen entwerfen und konstruieren Geschlechtlichkeit, ohne die kulturellen Modelle gesund/krank, weiblich/männlich einer Reflexion zu unterziehen. Dabei ist insgesamt auffällig, dass die diagnostizierten Kinder selbst in der Debatte um AD(H)S kaum gehört werden. Im Rahmen der Studie soll deshalb geklärt werden, wie die betroffenen Kinder ihre Diagnose erleben und wie dieses Erleben ihr Selbstbild prägt. Von Interesse ist dabei auch, welche Rolle die Verabreichung von Medikamenten spielt und wie die Wirkungen der Medikamentenverabreichung von den betroffenen Jungen erfahren werden.
Projektleitung:
Prof. Dr. Katharina Liebsch
in Zusammenarbeit mit:
Prof. Dr. Rolf Haubl, Sigmund-Freud-Institut Frankfurt
Laufzeit:
April 2007 bis April 2008
Stoddards umfangreiches sonstiges Werk umfasst Essays, Erzählungen, Geschichten für Kinder und Gedichte, die in einer breiten Palette von Zeitschriften und Magazinen erschienen. Außer einer Sammlung von Gedichten aus dem Jahr 1895 wurde nichts davon in Buchform publiziert; Stoddards Texte sind daher nur sehr mühsam zugänglich. Das Projekt will dem in mehreren Schritten Abhilfe verschaffen: mit einer ausgewählten und kommentierten Ausgabe von Stoddards Erzählungen; mit einem Sammelband, der das Spektrum ihres Schreibens zeigt, und mit der erstmaligen Übersetzung ihres Romans The Morgesons ins Deutsche.
Publikationen:
Projektleitung:
Univ.-Prof. Dr. Susanne Opfermann
interuniversitäre Kooperation:
Univ.-Prof. Dr. Helmbrecht Breinig, Universität Erlangen-Nürnberg
Kontakt:
Susanne Opfermann
opfermann@em.uni-frankfurt.de
Die Studie befasst sich mit den Präsentations- und Vermittlungsstrategien des amerikanischen Romans zwischen 1774 und 1830. Anhand der Paratexte (Titelseiten, Widmungen, Vorworte, Autorenbezeichnungen, Pseudonyme etc.) werden Konventionen von Anonymität, Pseudonymität, Legitimationen, Selbstinszenierungen, Adressaten u.a.m. untersucht. Innerhalb des Untersuchungszeitraums verändern sich nicht nur Vorstellungen von Wesen und Funktion fiktionaler Literatur, sondern auch die Konzeptionen von Autorschaft und Autorenrolle. Diese Veränderungen stehen ihrerseits in Wechselwirkung mit dem Aufstieg nationalstaatlicher Ideen, Vorstellungen von der Eigenständigkeit amerikanischer kultureller Identität, und der Natur und den Aufgaben der Geschlechter. Ziel ist es, literaturbezogene Fragestellungen in einen breiteren kulturellen und ideengeschichtlichen Kontext einzuordnen.
Teilprojekt Gender and the early American Novel
Basierend auf einer statistischen Erhebung aller amerikanischen Romane im Zeitraum von 1774-1830 wird der Autorenanteil von Frauen und Männern sowie der Grad von Anonymität der Publikationen ermittelt. Auf diese Weise lassen sich Annahmen über die Beteiligung der Geschlechter an der Romanproduktion substantiieren bzw. korrigieren und Veränderungen ermitteln.
Projektleitung:
Univ.-Prof. Dr. Susanne Opfermann
Kontakt:
Susanne Opfermann
opfermann@em.uni-frankfurt.de
An diesem facettenreichen Projekt sind Studierende und Promovierende beteiligt. Es richtet sich insbesondere auf die Geschichte jüdischer Lehrerinnen der Stadt Frankfurt, aber auch - vergleichend - auf die anderer Lehrerinnen- und Lehrergruppen. Basismaterial sind die archivierten Personalakten, die - ungeordnet - im städtischen Archiv lagern.
Die relativ große Anzahl von Personalakten jüdischer Lehrerinnen deutet auf eine Besonderheit der Frankfurter Situation. Aus keiner anderen deutschen Stadt ist eine solche Zahl jüdischer Lehrerinnen an öffentlichen Schulen bekannt. Zwar weiß man bereits aus Untersuchungen zur Geschichte des Frankfurter Philanthropins, der Schule der jüdischen Gemeinde, dass es dort auch einige Lehrerinnen gab, und man ist darüber hinaus informiert, dass sich jüdische Lehrerinnen in privaten jüdischen Mädchenschulen fanden, doch ist deren Anwesenheit im öffentlichen Schulwesen der Stadt bisher auch im Jüdischen Museum nicht bekannt gewesen. Eine Untersuchung ihrer Professionskarrieren, insbesondere in der Weimarer Republik und den ersten Jahren des Nationalsozialismus, ist auch deshalb ein forschungsintensives Unterfangen, weil Untersuchungen zu Lehrerinnen in Frankfurt generell fehlen. Hinzu kommt, dass es keine anderen regionalen und überregionalen Studien zu jüdischen Lehrerinnen in Deutschland gibt. Insofern scheint es wichtig, diese Frankfurter Archivfunde und -bestände und damit die besondere Situation Frankfurts in die Forschungsdiskussion einzubringen.
Das Forschungsprojekt ist darauf gerichtet, die einzelnen Professionsbiographien - sei es jüdischer, sei es nicht jüdischer Lehrerinnen und Lehrer - im Zeitraum zwischen 1900 und 1935 nicht nur als singuläre Fälle zu rekonstruieren, sondern prosopographisch, d. h. kollektivbiographisch zu verfahren. Auf die Weise werden nicht nur der Stadtgeschichte neue Aspekte hinzugefügt, sondern auch neue Wege der erziehungsgeschichtlichen Biographieforschung beschritten.
Projektleitung:
Prof. Dr. Brita Rang
Kontakt:
Prof. Dr. Brita Rang
Rang@em.uni-frankfurt.de
Das Projekt ist Teil eines mit pädagogischen Psychologen gemeinsam durchgeführten Projekts zu aktuellen und historischen Aspekten selbstregulierten Lernens. Selbstregulatorisches Lernen ist vor allem ein aktuelles Thema der Pädagogischen Psychologie, das unter anderen Begriffen in der Pädagogik aber eine lange historische Tradition hat. In der aktuellen kognitionspsychologischen Forschung wird davon ausgegangen, dass beim Erwerb von Wissen die Lernenden keine passive, sondern eine aktive Rolle spielen. Eine große Bedeutung wird mentalen Aktivitäten zugeschrieben, die dazu führen, dass neues Wissen an vorhandene Wissensstrukturen assimiliert werden kann. Vor dem Hintergrund dieser Auffassung und aufgrund empirischer Befunde aus der kognitiv orientierten Lernpsychologie wurden Modellvorstellungen guter LernerInnen wie z. B. das Good Information Processor Model entwickelt, in denen insbesondere solche Lernprozesse im Mittelpunkt stehen, die vom Lernenden selbst gesteuert werden (Pressley, 1995; Pressley, Borkowski & Schneider, 1989). Erfolgreiche LernerInnen zeichnen sich nach diesen Modellvorstellungen durch eine Reihe charakteristischer kognitiver, metakognitiver und motivationaler Merkmale aus: Sie besitzen einschlägige Kenntnisse über Lernstrategien und deren Anwendungsbedingungen. Sie sind in der Lage, eigene Lernvorgänge zu planen, zu initiieren, aufrechtzuerhalten, zu beobachten und zu regulieren. Sie können eigene Stärken und Schwächen beim Lernen erkennen und sie können Lernergebnisse evaluieren und motivational verarbeiten (Schiefele & Pekrun, 1996). Selbstregulatorisches und strategisches Lernen wurde vielfach bei älteren Schulkindern, Jugendlichen oder Erwachsenen untersucht, hat sich prinzipiell jedoch auch schon bei jüngeren Kindern als eine erfolgreiche Form des Lernens erwiesen (Hattie, Biggs & Burdie, 1996). Korrespondierend zu diesem Befund zeigen entwicklungspsychologische Studien, dass gerade im Grundschulalter eine deutliche Zunahme an strategischen und metakognitiven Kompetenzen zu verzeichnen ist (Schneider & Büttner, 2002). Durch PISA wissen wir, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Lernergebnisse und wahrscheinlich auch unterschiedliche Lernstrategien nutzen (können).
Aus dem heutigen Interesse, diese Situation dauerhaft aufzubrechen, soll historisches Wissen gezielt als Element der Implementation von Fördermaßnahmen zum Erwerb selbstregulatorischer Lernstrategien genutzt werden. Selbstregulatorisches Lernen hat insbesondere in den pädagogischen Reformbewegungen in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine Rolle gespielt, aber auch im expliziten Bezug der pädagogisch-psychologischen Forschung auf sie. Für beide Entwicklungen wurden Konzeptionen der "Tat-" und "Arbeits-Schule", des "Projektunterrichts" oder der "Selbsttätigkeit" bedeutsam. Trotz eines vielfältigen Interesses am selbständig-motiviert Lernenden in der deutschen Vergangenheit, ist die Intention jedoch primär Intention geblieben und lebt gegenwärtig im teilweise diffusen Verständnis vom "autonom Lernenden" wieder auf. (Horlacher, 2002). Schule blieb primär der Ort, an dem die Lehrenden das Wissen weitergeben, das die Schüler "anwenden".
Im Kontext des Projektteils, der "gendersensitive aspects" des selbstregulierten Lernens beobachtet, geht es deshalb (1) um die Erforschung der konzeptuellen Wahrnehmung von Geschlechterdifferenzen in der Erziehungsgeschichte (insbesondere in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, der Zeit der Reformpädagogik) und (2) auch um die Bedeutung von Geschlechterdifferenzen bei der aktuellen Implementation selbstregulativer Strategien.
Projektleitung:
Prof. Dr. Brita Rang
Kontakt:
Prof. Dr. Brita Rang
Rang@em.uni-frankfurt.de
Es ist inzwischen in Deutschland bekannt, dass die Niederlande ein öffentlich finanziertes, aber zu großen Teilen privat organisiertes Unterrichtssystem besitzen. Das gilt insbesondere für den Primarschulbereich, zu dem gegenwärtig 7690 öffentliche und private Schulen gehören. 68,3% aller Schüler besuchen die "bijzondere scholen", d. h. separate oder private Schulen. Die übrigen (31,7 %) sind in öffentlichen, d. h. in Gemeindehand befindlichen Einrichtungen. Den etwa 70%igen Anteil des Privatschulunterrichts teilen sich unterschiedliche, vor allem religiöse Gruppierungen. 27,3 % der Kinder und Jugendlichen folgen protestantisch-christlichem, 33,9 % katholischem Unterricht und nur ein kleiner Teil von 7,1% lernt in anthroposophischen, in Montessori-, Dalton-, Jena-Plan- oder Freinet-Schulen oder aber besucht islamische, jüdische, hinduistische, zur protestantischen Brudergemeinschaft gehörende Institutionen (Primair onderwijs in cijfers 2002, S. 44). Die Prozentzahlen zeigen ein seit Ende der zwanziger Jahre relativ konstantes Bild (Idenburg 1964, S. 114). Das Forschungsprojekt richtet sich auf die zur Zeit 45 islamischen Schulen und dabei auf das besondere Verhältnis der Geschlechter in diesen Schulen.
Die Einrichtung öffentlich finanzierter aber privat beantragter und organisierter Schulen wurde nach einem etwa 80 Jahre währenden Streit zwischen Konfessionellen und Liberalen 1917 mit dem so genannten Schulkompromiss beschlossen und im Gesetz für den Primarunterricht von 1920 im einzelnen ausgestaltet. Eltern bekamen das Recht, auf Antrag eine eigene Schule mit einem eigenen privatrechtlichen "bestuur", d. h. einem Vorstand, der zugleich Verwaltungsgremium ist, einzurichten. Noch heute reicht ein religiös oder reformpädagogisch motiviertes Interesse aus, um an die Gründung einer privaten Schule zu gehen. Nichts trägt die Schule, als sie sich selbst (und die staatliche Finanzierung). Die besondere Autonomie wird bereits bei der Einrichtung und Zusammensetzung des Vorstands sichtbar. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch, Buch 2, besteht er nur aus wenigen Mitgliedern, darunter einem oder einer Vorsitzenden, einem Sekretär und einem "Penningmeester" (Braster 1995, S. 215). Es sind gerade die Eltern von Kindern der (geplanten) Schulen, die Sitz im Vorstand haben (v. Wieringen 1995, S. 188ff.). Mit dem Blick auf solche Möglichkeiten, gelten die Niederlande vielen deutschen Pädagogen als das Eldorado der Reformpädagogik. Doch haben auch die privaten Schulen inzwischen die Beweispflicht, dass die Leistungen ihrer Schüler/innen nicht hinter die nationalen Standards (gesetzlich verankerte und sehr präzis formulierte "Kernziele" der zentralen Unterrichtsfächer) zurückfallen. Ein die Primarschule abschließender, Vergleichswerte liefernder Abschluss-Test (wie der CITO-Test) wird auch ihnen abverlangt.
In den letzten zwanzig Jahren ging die Zahl der privaten Schulen aufgrund von Zusammenlegungen zunächst zurück. Inzwischen sind allerdings die Schulen unter streng religiösen Vorzeichen hinzugekommen, die von einer erneuten "verzuilung", d. h. der vertikalen Aufspaltung oder Grenzziehung in der Gesellschaft unter religiösen Vorzeichen, sprechen lassen. Einige hinduistische, vor allem aber die 45 islamischen Schulen bilden inzwischen eine gesellschaftlich deutlich wahrgenommene und in den Medien heftig diskutierte Gruppe. Die privaten Schulen allgemein und damit auch streng islamische Schulen wie Al Ummah in Enschede schützt das sehr weit reichende, gesetzlich verankerte Elternrecht der Niederlande. Was in den islamischen Schule geschieht, erfahren wir nicht nur aus eigener Beobachtung, sondern auch von den Schul-Inspekteuren, die u. a. im vergangenen Jahr angesichts von öffentlich geäußerten Zweifeln, ob der dort erteilte Unterricht nicht die Integration seiner Schüler und Schülerinnen in die niederländische Gesellschaft verhindere, die 45 Schulen auf der Basis der gesetzlichen Vorgaben evaluierten und kritisch klassifizierten (Islamitische scholen 2002.; 2004; Inspectie 2003).
In diesem Forschungsprojekt geht es um die Untersuchung der bisherigen Entwicklung der 45 islamischen Schulen allgemein, und um die Frage der Geschlechterverhältnisse in ihnen im Besonderen. Denn nicht nur gibt es an einigen Schulen gesonderte Eingänge für Mädchen, die meisten Schulen trennen Mädchen und Jungen, Lehrer und Lehrerinnen auch im Unterricht.
Angesichts der Kopftuchdebatte in Deutschland, scheint die Beobachtung des niederländischen großenteils privaten Schulwesens mit seinen langen Traditionen der Integration unterschiedlicher religiöser Gruppen ein wichtiges Beispiel für den kulturellen Umgang mit Differenz. Die aktuellen Debatten zu den islamischen Schulen weisen allerdings auf besondere Schwierigkeiten. Wieweit sie mit der Geschlechterfrage zu tun haben ist ein Gesichtspunkt der Untersuchung.
Projektleitung:
Prof. Dr. Brita Rang
Kontakt:
Prof. Dr. Brita Rang
Rang@em.uni-frankfurt.de