Transforming Gender Orders: Intersections of Care, Family and Migration
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Geschlechterordnungen und Globalisierung
Internationale Fachtagung vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und dem Cornelia Goethe Centrum
erschienen in UniReport Ausgabe 1/12, Goethe-Universität Frankfurt, am 9. Februar 2012, S. 16.
<http://www.unireport.info/38951327/unireport_1-12.pdf>

Wie wirkt sich das Zusammenspiel von Globalisierungsprozessen, der Feminisierung der Migration vor allem im Care-Sektor, von Veränderungen in Wohlfahrtsregimen und in der Migrationspolitik auf Geschlechterverhältnisse aus? Dieser Frage widmete sich die unter der Leitung von Prof. Helma Lutz vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und dem Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse organisierten internationalen Fachtagung "Transforming Gender Orders – Intersections of Care, Family and Migration" im Januar an der Goethe-Universität. Wissenschaftler aus der Migrations-, der Wohlfahrtsstaats-, der Familien- und der Geschlechterforschung sowie insgesamt 160 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 21 verschiedenen Ländern fanden sich zusammen, um aus interdisziplinärer Perspektive den Wandel von Geschlechterverhältnissen in einem transnationalen Kontext zu diskutieren und ihre reichen, zumeist empirisch fundierten Erkenntnisse vorzustellen.
In ihrem Eröffnungsvortrag verdeutlichte Prof. Pierette Hondagneu-Sotelo von der University of Southern California, USA, dass insbesondere männliche, undokumentierte Migranten in den USA von den Auswirkungen der Rezession und einer verschärften Migrationspolitik betroffen sind.
Zum anderen erläuterte Hondagneu-Sotelo anhand einer Studie über Gartenarbeit, wie diese traditionell maskuline Form der "Hausarbeit" zunehmend von männlichen Migranten übernommen würde, aber bedeutend besser bezahlt sei als Arbeiten "innerhalb" des Haushalts, die für gewöhnlich von Frauen ausgeübt würden.
Insgesamt war die Fachtagung in vier thematische Panels unterteilt. Zu Beginn wurde diskutiert, welche Folgen ein Wandel staatlicher Wohlfahrtspolitik bei gleichzeitig steigender Erwerbstätigkeit von Frauen auf die Geschlechterverhältnisse und die Arbeitsteilung in der Familie hat, insbesondere im Bereich der Pflege von Kindern.
Zum anderen ging es um die Auswirkungen einer solchen "Care-Lücke" für Migrationsprozesse. Panel II widmete sich der Frage, unter welchen Bedingungen Migrationsprozesse einen emanzipatorischen Wandel der Geschlechterverhältnissen bewirken können.
Die verschiedenen Vorträge zeigten unter anderem, dass auch ein Aufrechterhalten traditioneller Geschlechterverhältnisse die Erschließung neuer Handlungsspielräume für Frauen und eine Schutzfunktion gegenüber einer diskriminierenden Mehrheitsgesellschaft bedeuten können. Erfrischende Ansätze wurden im dritten Panel zur Rolle von Männern in einer transnationalen Arbeitsteilung im Privathaushalt vorgestellt. Am Beispiel von Neuseeland, Großbritannien und Italien diskutierten die Referentinnen die Auslagerung von Haushaltsarbeit an männliche Migranten und die Bedeutung dieser Auslagerung für Konzepte von Männlichkeiten sowohl für die Migranten als auch für die so "ersetzten" Männer. Abschließend standen die Folgen von Migrationsprozessen für die Familien der Migranten im Fokus. Vor allem wurde diskutiert, wie sozio-historische Vorstellungen von Mutterschaft durch Transnationalisierungs- und Migrationsprozesse herausgefordert werden. Studien über die Ukraine und Polen zeigten, dass insbesondere migrierende Frauen und Mütter, trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für diese Länder, in öffentlich-medialen Diskursen problematisiert und für das Zurücklassen ihrer Familien und Kinder verantwortlich gemacht werden.
Insgesamt stand die Tagung im Zeichen einer konstruktiven und anregenden Arbeitsatmosphäre. Die Organisatorinnen freuten sich über den Erfolg der Tagung und die rege Beteiligung des Publikums. Großen Anklang fand auch der in Anwesenheit des Regisseurs Alan Grossman gezeigte Dokumentarfilm "Promise and Unrest", der auf einfühlsame Weise die Komplexität einer Mutter-Tochter- Beziehung im Kontext transnationaler Care- Migration zeigte.

Kristina Nottbohm & Veronika Ott

 

Gefördert durch das Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Gefördert durch die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse Goethe-Universität Frankfurt am Main