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  • Renommierte Gender-Forscherin übernahm Angela-Davis-Gastprofessur -
    Die Amerikanerin Chandra Talpade Mohanty sprach und diskutierte über Frauen in der Dritten Welt

Nikita Dhawan und Chandra Talpade Mohanty Foto: Anja Feix.
Für die Förderung von internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bereich Gender und Diversity richtete das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse zu Beginn des Wintersemesters 2013/14 die Angela Davis-Gastprofessur ein. Nach dem erfolgreichen Auftakt der Gastprofessur mit Prof*in Angela Davis wurde sie nun zwei Jahre später mit Chandra Talpade Mohanty, einer international renommierten Frauen*- und Geschlechterforscherin, fortgesetzt.

Mohanty ist seit 2004 Professorin für Frauen*- und Geschlechterstudien, Soziologie und kulturelle Grundlagen der Pädagogik an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Syracuse University im Bundesstaat New York. Seit 2015 ist sie dort Dekanin des Fachbereichs für Frauen*- und Geschlechterstudien. In der Tradition sozialistischer Feministinnen verwurzelt, bezeichnet sich Mohanty selbst als transnationale, anti-kapitalistische sowie anti-rassistische Feministin. Mit ihrem Aufsatz Under Western Eyes: Feminist Scholarship and Colonial Discourses (1984) ist Mohanty international in den postkolonialen und feministischen Studien bekannt geworden. In diesem mehrfach übersetzten Aufsatz kritisiert sie die eurozentristischen Analysen weißer feministischer Wissenschaft. Sie macht darauf aufmerksam, dass nicht-weiße Frauen* aus „Dritte-Welt-Ländern“ zumeist als einheitlich, unterdrückt und machtlos dargestellt werden. Diese Kritik führt sie in dem Werk Feminism without Borders: Decolonizing Theory, Practicing Solidarity (2003) fort, indem sie Wissensproduktionen an westlichen Universitäten hinterfragt und deren rassistische sowie koloniale Perspektiven auf Frauen* of Color offenlegt.

Im Rahmen der Angela Davis-Gastprofessur hielt Mohanty Mitte Dezember zwei öffentliche Vorlesungen an der Goethe-Universität und bot einen Workshop für Studierende und Promovierende an. Zeitgleich fanden zwei studentisch organisierte Aktionen statt: Zum einen die Online-Kampagne #CampusRassismus, bei der Studierende of Color ihre Rassismuserfahrungen an deutschen Hochschulen öffentlich machten. Zum anderen der Streik der Hilfskraftinitiative, bei der Hilfskräfte Tarifverträge für sich forderten. In ihrer Rolle als Aktivistin zeigte sich Mohanty mit beiden Aktionen solidarisch und wies in ihren Vorlesungen auf die Notwendigkeit von emanzipatorischen Initiativen und strukturellen Veränderungen an Hochschulen hin.

Für den Workshop stellte Mohanty uns Teilnehmenden im Voraus antirassistische feministische Literatur zur Verfügung. Besonders spannend war bei der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dieser Literatur die Diskussion um das Konzept des epistemischen Privilegs. Dieses beinhaltet, dass Wissen nicht über, sondern von Frauen* in der „Dritten-Welt“ produziert werden soll und, dass diese den entsprechenden Raum brauchen, um ihr Wissen zum Ausdruck zu bringen. Wir beschäftigten uns ausführlich damit, wie wir diesem Verständnis gerecht werden können. Ungewohnt war für uns, wie Mohanty im Vergleich zu gängigen Seminarabläufen diesen Workshop didaktisch gestaltete. Sie machte die verschiedenen gesellschaftlichen Positionierungen der Teilnehmer*innen zum Gegenstand der Diskussionen und bettete dabei eindrucksvoll unser eigenes Wissen ein. Eine solche Erfahrung ist für uns als Studierende of Color neu. Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass wir erstmals die Lehrveranstaltung einer Lehrenden of Color besuchen konnten.

Die diesjährige Angela Davis-Gastprofessur hat uns als Studierende of Color langfristig geprägt und uns darin bestärkt, der antirassistischen und feministischen Forschung an der Goethe-Universität weiterhin nachzugehen. Deshalb würden wir uns freuen, wenn diese Gastprofessur auch zukünftig fortgeführt wird und das Cornelia Goethe Centrum weiterhin renommierte feministische Wissenschaftler*innen of Color einlädt.

Refika Cömert, Sheila Ragunathan und Walid Malik, Studierende der Gender Studies.

Quelle: Unireport 01/2016: http://www.unireport.info/59936941/Unireport_1-16.pdf

Chandra Talpade Mohanty bei ihrem öffentlichen Vortrag Foto: Anja Feix.

 

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