Care und Migration
Mit Beiträge von Ursula Apitzsch, Margrit Brückner, Birgit Geissler, Ute Gerhard, Lena Inowlocki, Karin Jurczyk, Juliane Karakayali, Maria Kontos, Ilse Lenz, Helma Lutz, Ewa Palenga-Möllenbeck, Maria Rerrich, Helen Schwenken, Marianne Schmidbaur, Kyoko Shinozaki, Gabriele Wenner, Brigitte Young
Abendvortrag von Arlie Hochschild


 Care und Migration
Die zunehmende Integration einheimischer westeuropäischer Frauen in den ersten Arbeitsmarkt ist nicht von einer entsprechenden Veränderung der familiären traditionellen Arbeitsteilung in den Familien begleitet. Wir stehen vor einer dramatischen Krise des Reproduktionsbereichs. Es stellt sich die Frage: Wer sorgt für Kinder, Behinderte, ältere Menschen, für alle, die für eine gewisse Zeit oder auf Dauer Hilfe im Alltag brauchen? Wer kauft ein, kocht, putzt? Wer kümmert sich darum – und wen beschäftigt das? Who cares?

"Der Markt" ist eine provozierende Antwort. Zunehmend übernehmen zumeist irregulär beschäftigte Migrantinnen Haushalts- und Pflegeaufgaben in europäischen Familien, um mit dem verdienten Geld die eigenen Familien zu Hause unterstützen zu können. Es entstehen "Care chains", globale Betreuungsketten (Hochschild), in denen die eigenen Kinder der ausländischen Arbeitskräfte von den meist weiblichen Mitgliedern der eigenen Familien in den Herkunftsländern oder Migrantinnen aus noch ärmeren Regionen der Welt betreut werden.

In der Frankfurter Konferenz wird es insbesondere darum gehen, die Auswirkungen der Reproduktionskrise für die neuen Migrationen im Hinblick auf die Herkunftsländer wie für die Ankunftsländer der Migrantinnen weiter zu verfolgen und die Konsequenzen für die EU im Allgemeinen und die Bundesrepublik im Besonderen zu diskutieren.

Die Konferenz bringt Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen und Kontexte zusammen. Inspiriert ist die Tagung von der Entdeckung der globalen Verflechtung von Care-Netzwerken durch Arlie Hochschild. Die namhafte amerikanische Autorin wird bei der Tagung anwesend sein und am 23. April den Abendvortrag halten. Zur Diskussion stehen neue Bedingungen familialer Arbeit, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die soziale Reproduktion, Debatten zu Care und Citizenship (Staatsbürgerschaft), transnationale Betreuungsketten und transnationale Care-Beziehungen sowie mögliche Politiken angesichts illegaler und irregulärer Migration.


Gefördert durch das Hessische Ministerum für Wissenschaft und Kunst, die Vereinigung der Freunde und Förderer der Johann Wolfgang Goethe-Universität und den Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums.

Contributions by Ursula Apitzsch, Margrit Brückner, Birgit Geissler, Ute Gerhard, Lena Inowlocki, Karin Jurczyk, Juliane Karakayali, Maria Kontos, Ilse Lenz, Helma Lutz, Ewa Palenga-Möllenbeck, Maria Rerrich, Helen Schwenken, Marianne Schmidbaur, Kyoko Shinozaki, Gabriele Wenner, Brigitte Young
Evening lecture by Arlie Hochschild


 Care and Migration
In the past decades, Western Europe has witnessed an increase in women’s labour market participation. However, this has not basically led to a change in the conventional gendered division of labour in the family. We are facing a dramatic crisis of the reproductive sector. Pertinent questions are: Who takes care of the young and the old, disabled people and people who need care on a daily basis? Who shops, cooks and cleans? Who cares?

"The market" is a provocative answer. It is largely irregular migrant women that are overtaking domestic and care work in Western, but also increasingly in Eastern European households. They are the main breadwinners, sending a large proportion of their income back home. This gave rise to a "global care chain" (Arlie Hochschild). This term captures the hierarchical outsourcing of care involving several tiers of women: Migrant domestics or female relatives in the global South at the bottom, international migrant domestic and care workers in the middle of the "chain", and their female employers in the North at the upper end.

The conference brings together experts from different disciplines in the field of care and migration, inspired by the renowned American author Arlie Hochschild, who gives a keynote lecture on April 23. We mainly engage with examining the impact of the reproductive crisis on receiving countries while also shedding light on its impact on sending countries. Relevant issues include new conditions of domestic and care work, the impact of the financial crisis on social reproduction, the debate on paid care and citizenship as well as transnational care relations. Furthermore, we discuss policy problems, particularly those pertaining to illegality, in the German context, extending our discussion also to the EU and to the global level.


Sponsored by: Hessisches Ministerum für Wissenschaft und Kunst, die Vereinigung der Freunde und Förderer der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums.