Vom 4. bis 6. Oktober fand im Casino des IG-Farbengebäudes ein Symposium des DFG-Graduiertenkollegs "Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung", das vom Cornelia Goethe Centrum der Uni Frankfurt und der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechterforschung der Uni Kassel getragen wird, statt. Das Symposium mit dem Titel "Im Zeichen des Geschlechts. Repräsentationen, Konstruktionen, Interventionen" beleuchtete Repräsentationen in ihrer Prozesshaftigkeit und fokussierte damit solche politischen, sozialen und asthetischen Prozesse, in denen bestehende Bedeutungen verändert und neue Bedeutungen produziert werden können. Vor allem die Gender Studies haben sich mit Repräsentationen als einer zentralen Kategorie auseinandergesetzt. Denn in ihr kommen Fragen von politischer und sozialer Geschlechtergerechtigkeit sowie von der Darstellung von Geschlecht in kulturellen Praxen zum Ausdruck. Ausgehend von diesem Verständnis stand besonders das Interventionspotential von Repräsentationen im Zentrum der Diskussionen des Symposiums.
Eröffnet wurde die Tagung am Donnerstagnachmittag von den beiden Sprecherinnen des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser (Frankfurt) und Prof. Dr. Claudia Brinker-von der Heyde (Kassel) sowie von Prof. Dr. Andreas Gold, der als Vizepräsident der Uni Frankfurt Grußworte überbrachte. Den inhaltlichen Auftakt machte Prof. Sarah Burns (Bloomington, Indiana, USA) mit ihrem Vortrag zum Thema "Masquerades of Masculinity" in visuellen Repräsentationen in Amerika im 19. Jahrhundert. Anhand von Gemälden, Fotografien und Illustrationen zeigte sie eine Vielfalt von Repräsentationen männlicher Körper, die eine zeitgenössische Norm des männlichen Körpers ins Wanken brachten.
In fünf unterschiedlichen Panels und zwei Workshops wurden die Diskussionen zum Thema Repräsentation von geladenen Referentinnen und den Kollegiatinnen des Graduiertenkollegs weitergeführt. Das Themenspektrum umfasste Repräsentationen in mittelalterlicher Literatur (Dr. Judith Klinger, Potsdam und Annabelle Hornung, Frankfurt), Repräsentation als Übersetzung in sozialen Bewegungen (Dr. Encarnacíon Gutíerrez Rodríguez, Manchester, UK, Michaela Bank, Frankfurt, Antje Harms, Kassel), Repräsentationen in Politik und Recht (Shireen Hassim, Johannesburg, Südafrika, Rirhandu Mageza-Barthel und Angela Kolbe, Frankfurt), Körperinszenierungen (Prof. Dr. Doris Kolesch, Berlin, Jennifer Villarama und Katja Reimann, Kassel), Körper zwischen Diskurs und Materialität (Prof. Dr. Hannelore Bublitz, Paderborn, Malaika Rödel, Mica Wirtz, Ottavia Nicolini, Dr. des. Isabelle Stauffer, Frankfurt), Sozialwissenschaftliche Methoden (Dr. Tomke König, Basel, Schweiz, Sabine Flick, Milena Noll und Wyke Stommel, Frankfurt) und Repräsentationen in popkulturellen Gegenöffentlichkeiten (Sara Paloni und Beatrice Bösiger, Wien, Österreich, Skadi Loist und Alek Ommert, Frankfurt).
Den Abschlussvortrag hielt die Juristin Prof. Elisabeth Holzleithner aus Wien. Sie unternahm den gelungenen Versuch, die einzelnen Diskussionsbeiträge des Symposiums aufzunehmen und mit ihrem Vortrag "Durchquerungen. Repräsentationen von Geschlecht im Rechtsdiskurs" in Verbindung zu setzen. Mit dem Vortrag ging ein erfolgreiches Symposium zu Ende, dem es auch an sozialen Gelegenheiten nicht mangelte. Ein Empfang mit Buffet und Kurzfilmpräsentation und eine Party im 6ixty2 luden Gäste und Referentinnen zum regen Austausch ein. Den Kollegiatinnen, die das Symposium planten und organisierten, sowie den Hilfskräften sprachen die Sprecherinnen des Graduiertenkollegs am Ende ihren Dank und ihr Lob aus. "Im Zeichen des Geschlechts" war das letzte interdisziplinäre Symposium des Graduiertenkollegs, dessen neunjährige Förderung durch die DFG im Herbst 2008 auslaufen wird.
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Repräsentation wurde in bisherigen Diskussionen sowohl in ästhetischen, sozialen als auch politischen Kontexten oft als Abbild, Darstellung oder Vertretung verstanden. Als Zeichen für etwas Abwesendes bezieht sich Repräsentation auf vorgängig Vorhandenes. Nach diesem Verständnis entsteht Bedeutung abbildlogisch und die verschiedenen Ausprägungen von Repräsentation stehen beziehungslos nebeneinander. Insbesondere die Gender Studies haben sich mit dem Begriff der Repräsentation als einer zentralen interdisziplinären Kategorie auseinandergesetzt, da sich in ihr die Fragen nach der politischen Teilhabe von Frauen und der Darstellung von Geschlecht in kulturellen Imaginationen verschränken.
Das interdisziplinäre Symposium möchte die Bedeutungsvielfalt von Repräsentation nutzen und die Verbindungen zwischen den diversen Repräsentationsformen betonen. Denn die verschiedenen Ausprägungen des Repräsentationsbegriffs in den jeweiligen Kontexten - ästhetischen, sozialen, politischen - bergen zwar die Gefahr für Missverständnisse, eröffnen aber auch die Möglichkeit für Interventionen.
Ansatzpunkt ist dabei, dass Repräsentationen nicht einfach vorgängig Gegebenes abbilden, sondern dieses in produktiven Prozessen konstruieren. Bedeutung ist demnach nicht eindeutig ablesbar, sondern wird durch Rezeption und Interaktion hergestellt. Insofern sind Bedeutungen nicht festgeschrieben, sondern bleiben - trotz herrschender Machtverhältnisse - offen für Interventionen.
Das Symposium fragt, wie diese Interventionsmöglichkeiten im Rahmen einer kritischen Perspektive auf Geschlechterverhältnisse in wissenschaftlichen und anderen Öffentlichkeiten genutzt werden können. Repräsentationen von Geschlecht werden in folgenden Themenfeldern untersucht: soziale Prozesse und politische Praxen, rechtliche Strukturen und demokratische Institutionen, Körperlichkeit, Selbstverhältnisse und Identitäten sowie ästhetisch-kulturelle Repräsentationen.
Mit dem Aufdecken der Konstruiertheit von Repräsentationen und dem Fokus auf Interventionsmöglichkeiten soll der Repräsentationsbegriff für eine kritische Debatte in den Gender Studies wiedergewonnen werden.