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Forschungsprojekt „Universitätsgeschichte als Sozialtopographie“

Das Projekt „Universitätsgeschichte als Sozialtopographie“ befasst sich mit den asymmetrischen Geschlechterverhältnissen in der Wissenschaft und deren Entwicklung/Veränderung durch historische Zäsuren. Anknüpfend an Beaufays Studie „Wie werden Wissenschaftler gemacht?“ (2003) erforscht es die Schwierigkeiten von Wissenschaftlerinnen im Zugang zu ihren Fächern und zur Universität in einem historischen Kontext. Es ist eine wissenschaftshistorische und wissenssoziologische (Fall)Studie, in der verschiedene Gruppen von Sozialwissenschaftlerinnen an der Universität Frankfurt und den ihr angeschlossenen außeruniversitären Instituten in der Zeit von 1925 bis 1948 vergleichend untersucht werden. Die ausgewählten Wissenschaftlerinnen repräsentieren unterschiedliche Statusgruppen sowie verschiedene Einrichtungen (Institute der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität, Institut für Sozialforschung, Staatliches Berufspädagogisches Institut, Frobenius-Institut). Sie stehen für verschiedene Arbeitsgebiete (Fürsorgewissenschaft, empirische Sozialforschung, Soziologie, Konsum- und Haushaltsökonomie) und eine unterschiedliche Arbeitsorganisation (zentral, dezentral). Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Gruppen lassen sich Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen der wissenschaftlichen Einbindung und den Karrierechancen von Frauen mit der Disziplinierung und akademischen Etablierung der Fächer und Herausbildung wissenschaftlicher Communities, Regeln, Sprache und Normen gewinnen. Durch die Auswahl des Samples kann der wissenschaftliche und berufliche Werdegang von während der NS-Zeit ausgegrenzten und verfolgten Wissenschaftlerinnen mit dem Werdegang von Wissenschaftlerinnen verglichen (kontrastiert) werden, für die die NS-Zeit scheinbar keinen Bruch in der wissenschaftlichen Biographie bedeutete.

Das Forschungsprojekt wurde durch eine Anschubfinanzierung des HMWK gefördert und soll als Drittmittelprojekt weitergeführt werden. Ergebnisse der Recherche zu einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerinnengruppen wurden bereits veröffentlicht (Keller 2014 a-d). Aus dem Projekt hervorgegangen ist die Lehrveranstaltung „Sozialwissenschaftlerinnen in Frankfurt“ (Sommersemester 2014) (Vgl. Keller/Wischermann 2015).

Literatur

Keller, Marion: Frau Dr. rer. pol. Rosa Kempf (2014a): Wissenschaftlerin, (Sozial-)Politikerin und Gründungsdirektorin des Frauenseminars für soziale Berufsarbeit, in: Ulrich Stascheit (Hg.): „Warum nur Frauen?“ 100 Jahre Ausbildung für soziale Berufe in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main: Fachhochschulverlag, S. 109-157

Keller, Marion (2014b) „Charlotte von Reichenau“, in: Ilse Korotin (Hg.): Frauenbiografische Studien zur österreichischen Wissenschaftsgeschichte – ein Modulprojekt von biografiA – Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen, Wien: Böhlau Verlag (im Erscheinen)

Keller, Marion (2014c): Doktorandinnen und Privatdozentinnen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, in: Bertram Schefold (Hg.): Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in Frankfurt am Main, 3., erweiterte Auflage, Marburg: Metropolis Verlag (im Erscheinen)

Keller, Marion (2014d): Mittendrin und doch nicht dabei. Frauen und Fürsorgewissenschaften in Frankfurt vor 1933, Vortrag am 23. Mai 2014 auf der Tagung „Ausschließende Einschließung? 100 Jahre Frauen und Wissenschaft am der Goethe-Universität Frankfurt am Main“, Cornelia Goethe Centrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main (unveröffentlichtes Manuskript)

Keller, Marion und Ulla Wischermann (Hg.) (2015): Sozialwissenschaftlerinnen an der Universität Frankfurt, Dokumentation des Lehrforschungsseminars Sommersemester 2014, erscheint März 2015 als online-Publikation des Cornelia Goethe Centrums in der Reihe „Außer der Reihe. CGC Forum“

 

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