Cornelia Goethe Centrum

Christiane Leidinger: Feministisch bewegte Geschichte, Debatten und Politik von Lesben

14.11.18

Das Cornelia Goethe Centrum lädt herzlich ein zum Vortrag der Cornelia Goethe Colloquien im Wintersemester 2018/2019 mit dem Titel „Feministische Erinnerungskulturen: 100 Jahre Frauenstimmrecht – 50 Jahre Autonome Frauenbewegung.“

Der Vortrag von Christiane Leidinger zum Thema  „Feministisch bewegte Geschichte, Debatten und Politik von Lesben“  findet am 14.11.2018 im Historischen Museum Frankfurt von 18-20 Uhr c.t. statt.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Die Geschichte (nicht nur) der bundesdeutschen Lesbenbewegung fristet völlig zu Unrecht ein Schattendasein in der Bewegungshistoriographie und im feministischen Gedächtnis. Zumeist sind es nur zwei Stichworte, die zu dieser Teilbewegung der Frauenbewegung erinnert werden: „Sexualität“ und „Lesben-Hetera-Diskussionen“. Diese Auseinandersetzungen werden oft nur als hochemotional ausgetragener Konflikt erinnert. Im Grunde genommen handelt es sich dabei jedoch um die erste feministische Intersektionalitätsdiskussion nach der Debatte um Klasse in den Alten Frauenbewegungen, gleichwohl sie als solche kaum wahrgenommen wird. Bis heute bleiben Lesben immer wieder (mindestens) doppelt unsichtbar und marginalisiert: als Lesben unter Frauen und als Frauen unter Homosexuellen. In ihrer politischen Bewegungspraxis, Wissensproduktion und Gegenkultur war die Lesbenbewegung, die sich in den 1970er Jahren entwickelte, weit mehr als der genannte „Lesben-Hetera-Konflikt“. Das Themenspektrum war über die Jahrzehnte breit gefächert und drückte sich in vielfältigen kulturellen Praxen, Aktivitäten und politischen Aktionen aus. Ab Ende der 70er Jahren waren es wieder vor allem Lesben, die neue feministische Debatten um Macht- und Herrschaftsverhältnisse einforderten: Insbesondere in lesbisch-feministischen Öffentlichkeiten entstanden Diskussionen um bewegungsinternen und gesellschaftlichen Rassismus, um Antisemitismus, Behindertenfeindlichkeit/ Ableism und Klassismus. Im Zuge dessen gründeten bzw. etablierten sich entsprechende Selbstorganisierungen marginalisierter Gruppen innerhalb der Frauen- und Lesbenbewegung.

CHRISTIANE LEIDINGER ist promovierte Politik- und Sozialwissenschaftlerin. Sie war bis zum Sommersemester 2018 für zwei Jahre Gastprofessorin für Geschlechtersoziologie und Empowerment an der Hochschule in Düsseldorf und zuvor freiberuflich tätig. Sie lehrt und forscht zu emanzipatorischen Alten und Neuen sozialen Bewegungen, zu (Anti -)Diskriminierung und Empowerment sowie zu (extrem) rechtem Antifeminismus. Sie hat u.a. den Band „In Bewegung bleiben“ mit herausgegeben.

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