Cornelia Goethe Centrum

Sarah Dionisius (Goethe Universität Frankfurt/Rubicon, Köln): Heteronormativität, Reproduktion und Praktiken der Aneignung: Zur Familienbildung lesbischer und queerer Frauen*paare in Deutschland

17.01.18

Seit Anfang der 2000er Jahre steigt in Deutschland die Zahl der lesbischen und queeren Frauen*paare, die über Samenspenden Kinder bekommen. Die entstehenden Familienkonstellationen sind vielfältig, die Routen der Reproduktion ebenso: Heteronormative rechtliche Rahmenbedingungen und institutionelle (Nicht-)Adressierungen lesbisch-queerer Lebensformen erschweren in Deutschland den Zugang zu Reproduktionskliniken – neben Reisen in Länder mit einem liberaleren Zugang zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen nutzen die Paare häufig Do-it-yourself-Praktiken wie die Selbstinsemination.Die Grundlage des Vortrags bilden 21 qualitative Interviews mit lesbischen und queeren Frauen*paaren aus Deutschland, die über eine Samenspende Kinder bekommen haben. Zunächst werden Ausschlüsse nicht-heterosexueller Lebensweisen auf rechtlicher und medizinischer Ebene in den Blick genommen und „Othering“-Prozesse nachgezeichnet. Unter Rückgriff auf Perspektiven der Queer Studies und der Feminist Science and Technology Studies stehen im Anschluss die verschiedenen Aneignungsweisen der lesbischen und queeren Akteurinnen* im Zentrum sowie die Frage, inwiefern ihre reproduktiven Praktiken heteronormative Vorstellungen von Familie, Verwandtschaft, Geschlecht und Reproduktion herausfordern.

Kommentar: Kira Kosnick, Goethe-Universität Frankfurt

Sarah Dionisius studierte Politikwissenschaft an der Goethe-Universität und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie am Schwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft. Sie promoviert zur Frage einer Neuverhandlung von Familie, Verwandtschaft und Geschlecht durch lesbische und queere Paare. Seit 2015 arbeitet sie bei rubicon e.V. in Köln und berät Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und queere Personen zu Familiengründung und Elternschaft.

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