Cornelia Goethe Centrum

Queere Ringvorlesung – „Queergehört!“

Die Queere Ringvorlesung „Queergehört!“ ist eine studentisch organisierte Vortragsreihe, die das akademische Lehrangebot durch queere und postkoloniale Theorie, sowie Intersektionalität ergänzt. Organisiert durch das Autonome Queerfeministische Schwulenreferat bietet die Ringvorlesung nun schon seit mehreren Jahren ein abwechslungsreiches Angebot an Themen und Vorträgen, die sich kritisch und konstruktiv mit  Vielfalt, Sexualität_en und gesellschaftspolitischen Zusammenhängen auseinandersetzen. Queer, postkolonial, feministisch: Die Ringvorlesung setzt sich kritisch mit Normativierungs- und Normierungsmechanismen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft auseinander. Die verschiedenen Vorträge verknüpfen dabei Analyse und Handlungsoptionen – und erbringen immer wieder Einblicke in die Arbeit der Referent*innen. Dabei werden gleichzeitig Themenbereiche rund um Diversity, Antidiskriminierungs- und Beratungsarbeit vorgestellt, die auch für die Berufsorientierung vieler Studierender von Interesse sind. Intersektionalität: Komplexe Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen und Ebenen von Diskriminierung und Ausgrenzung werden in der Ringvorlesung sichtbar gemacht und  anhand von Perspektivwechsel und Analyse verständlich. Akzeptanz und eine respektvolle Kommunikation sind Grundsätze der Queeren Ringvorlesung. Die gemeinsame Diskussion der vorgestellten Inhalte ist ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind herzlich eingeladen an der Ringvorlesung teilzunehmen. Da die wöchentlichen Vorträge unterschiedliche Themen behandeln, könnt ihr jederzeit neu einsteigen und auch mal für einzelne Termine vorbeikommen. Erscheint zahlreich und bringt Eure Freund*innen mit. Wir freuen uns auf Euch!

Zeit & Ort:

Campus Westend, Seminarhaus SH 1.104
jeweils dienstags, ab 18:00  Uhr

Weitere Infos unter: http://www.queergehoert.de/

Titel im Sommersemester ’19:

Von der Historie zur Kritik. Queere, feministische antirassistische und postkoloniale Perspektiven im Überblick

Kommende Veranstaltungen:

28
Mai
18:00 bis 20:00
SH 1.104
28.05.19

Black German Women, the Matrilineal Diaspora and Audre Lorde

In contemplating historical and socio-political developments within the Black Diaspora in Europe it is pertinent to seek a conceptual frame of analysis that also entails the ideologies, experiences, strivings and accomplishments of Black women across the continent. Any discussion of the concept of Diaspora, and in particular the Black Diaspora, necessitates a clear understanding of the concept of its theoretical meaning and how it can be employed. Jacqueline Nassy Brown (1998: 291) aptly states: “There is no actual space that one could call the African/Black Diaspora”. It is not a geographical location where one can travel to or depart from. It is a space that is imagined and non-tangible. And yet, this ‘imagined’, non- tangible space has been utilised as a point of departure from which processes of identity formation, consciousness-raising and political mobilisation have emerged for Black people across the globe. However, well known theorists and storytellers of the Black Diaspora such as W.E.B Du Bois and Paul Gilroy, both prominent scholars who have made wide-reaching contributions to this field of study, have omitted or, rather overlooked for the most part the gendered aspect of the Black diasporic experience. This presentation explores the theoretical concept of the matrilineal Diaspora (Chinosole 1990) as it applies to African-descended females1 within the German-speaking context. Further, I will engage with it in examining the emergence of Black consciousness, politicised mobilisation and identity formation of Black females. Central to the analysis of the Black diasporic formation in Germany is the presence and work of the late activist, poet, lesbian warrior, mother and scholar Audre Lorde.

I argue that the concept of the matrilineal Diaspora is important to the examination and discussion of the Black Diaspora in Germany in that the crucial developments within this node of the Diaspora were forged, propelled ahead and maintained to a great degree by queer and cis-gendered Black German female activists, who drew tremendous inspiration from the work and legacy of Audre Lorde.

 

Throughout this presentation my use of the term ‘female’ refers to cis-gender individuals who self-identify as such. For reasons of anthropological precision, I find it necessary to mark cis-gender in order to prevent a misreading and generalisation of my findings as automatically applicable to transgender individuals.

 

The presentation will be in English with a round of Q&A in both German and English.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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4
Jun
18:00 bis 20:00
SH 1.104
04.06.19

Sind Feminist*innen wirklich so friedfertig wie viele Studien nahelegen? Katharina Karchers Studie Sisters in Arms widerlegt diese Annahme anhand von vielen bisher unbeachteten Beispielen aus der deutschen Frauenbewegung.

 

Cordula Trunk schreibt: “Der Band ist die erste umfangreiche Untersuchung von konfrontativen und militanten Taktiken in den Aktivitäten der Feminist*innen nach dem 2. Weltkrieg. Karcher fokussiert sich auf drei Themenfelder, die entscheidend für die Rote Zora waren: der Kampf gegen das Abtreibungsverbot, Gewalt gegen Frauen und sexistische Werbung sowie internationale Frauensolidarität. Die Aktivist*innen betrachteten, „die Ausbeutung von Frauen als eine der frühesten und am weitesten verbreiteten Formen der Unterdrückung und als Herrschaftsprinzip der westlichen Gesellschaft“ (S. 106). Dass feministische Protestaktionen in Westdeutschland kreativ und provokativ waren, ist bereits weithin anerkannt. Wenig Wissen besteht allerdings über die vielfältigen militanten beziehungsweise konfrontativen Aktionen gegen sexistische Unterdrückung: So übernahm allein die Rote Zora zwischen 1977 und 1988 die Verantwortung für 45 Brand- und Bombenanschläge, bei denen sie bewusst nur Sachschäden verursachten.”

 

In ihrem Vortrag präsentiert Katharina Karcher Schlüsselkonzepte und zentrale Ergebnisse ihrer Forschung zu feministischer Militanz in der BRD und geht näher auf Fragen transnationaler Solidarität und dem Kampf gegen den Paragraph 218 – die Feminist*innen in den 1970er und 1980er beschäftigt haben und bis heute relevant sind.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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11
Jun
18:00 bis 20:00
SH 1.104
11.06.19

Was lernen wir, wenn wir unsere Perpektive radikal auf die Perspektiven jener Frauen werfen, die in der post-faschistischen Zeit als Gastarbeiterinnen oder Vertragsarbeiterinnen nach Deutschland kamen? Was lernen wir von den Frauen, deren Väter, Brüder und Ehemänner durch den sogenannten NSU ermordet wurden, und deren Wissen und Analysen sich in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung nicht druchsetzen?

 

In ihrem Beitrag sprechen Ayşe Güleç und Aurora Rodonò über solidarische Allianzen und Räume im Kontext der anti-rassistischen Bewegnung Tribunal NSU-Komplex auflösen sowie über das Zuhören als politische Praxis. Darüber hinaus nehmen sie den strukturellen institutionellen Rassismus in seiner Kontinuität wie auch als Gewalt- und Regierungsform in den Blick und die damit einhergehende Markierung der Geschlechter. Dabei diskutieren sie die vielfache Unsichtbarmachung von Frauen innerhalb der Mastererzählung der Migration und die Relevanz der migrantischen Kämpfe von Frauen für den Emanzipationsprozess in der Bundesrepublik.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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18
Jun
18:00 bis 20:00
SH 1.104
18.06.19

Mit „Der gewöhnliche Homosexuelle“ legten Reimut Reiche und Martin Dannecker 1972 eine brillante Studie vor, die bis heute durch ihre Kombination aus Empirie, Kritischer Theorie und sozialpsychologischer Interpretation hochaktuell bleibt. Obgleich sich die Lage für Homosexuelle im Zuge der Liberalisierung in der BRD erheblich verbessert hat, sind die gesellschaftlichen Bedingungen in und an denen Homosexuelle leben und leiden nicht verschwunden. Mit dem Ende der kritischen Sexualwissenschaft in Deutschland 2006, verschwand auch das kritische Potenzial in sexualwissenschaftlicher Forschung und so will der Vortrag noch einmal den Blick auf die Studie von Reiche und Dannecker richten, um an eine progressive Homosexuellenforschung zu erinnern und den kritischen Anspruch darin aufzeigen.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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25
Jun
18:00 bis 20:00
SH 1.104
25.06.19

Antisemitismus, Antizionismus und sogenannte Kritik an Israel wird in der letzten Zeit besonders in (queer)feministischen Kontexten laut: Die Petition #aufschrei wurde von etlichen BDS Befürworter_innen unterzeichnet, es werden Witze über „gehäutete Bänker_innen“ gemacht, die Vernichtung von Millionen Jüd_innen als „Repression“ beschrieben und etliche „Pink Washing Israel“ Gruppen kämpfen aktuell weltweit gegen das Existenzrecht Israels.

Woher kommt dieser Hass auf Israel innerhalb weiter Teile der linken Queer-Community? Muss Queerfeminismus, will er seinem Begriff gerecht werden, nicht per se gegen Antisemitismus sein? Dieser These soll anhand aktueller Debatten in dem Vortrag nachgegangen werden.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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2
Jul
18:00 bis 20:00
SH 1.104
02.07.19

Was ist eine „Stacy“? Und ein „Chad“? Was bedeuten Begriffe wie „Roastie“, „blackpill“, „Wristcel“, „looksmaxing“ und „Femoid“?

Es handelt sich hier um den Code der sogenannten Incel-Subkultur, ein Online-Todeskult, der seit 2018 in den Blick der Öffentlichkeit geraten ist „Incel“ ist die Kurzform für „Involuntary Celibate“- unfreiwillig im Zölibat lebende. Denn dieses jedoch nur scheinbar unfreiwillige Zölibat konstituiert die komplette Identität dieser frustrierten jungen Männer. Im April 2018 fuhr der Kanadier Alek Minassian mit dem Auto in eine Menschenmenge, um Rache dafür zu nehmen, dass er immer noch keinen Sex gehabt hatte. Sein Vorbild war Elliot Rodger, Held der Incels, der 2014 sechs Menschen tötete, 13 weitere verletzte, und ein über hundert Seiten langes Lamento hinterließ, das zum Manifest der Incel-Bewegung wurde.

Frauen würden einem Sex schulden, und müssen dafür bestraft werden, dass sie diesen verweigern, so der Tenor. Dass Frauenhass, Antisemitismus, Rassismus und die selbstgefällige Anspruchshaltung, man hätte allein seines Geschlechts wegen schon Sex verdient, Schuld daran tragen, dass die sich in der Alt-Right verortenden Incels in der Partnerinnenwahl versagen, wird vehement geleugnet. Denn so wie man Frauen hasst, hasst man als Incel auch sich selbst: Incels hängen dem fatalistischen Glauben an, sie seien aufgrund der eigenen Hässlichkeit ohnehin determiniert, für immer ein Dasein als ungeliebter Einzelgänger zu fristen – Frauen sind schließlich alles oberflächliche Schlampen. Denn es gibt kaum etwas was der Incel mehr verabscheut als selbstbestimmte weibliche Sexualität.

Ventil für den eigenen Frust scheint das Internet. In Foren tauscht man sich mit gleichgesinnten über die Verkommenheit von als „Femoids“ dehumanisierten Frauen aus, ergießt sich in Vergewaltigungs- und Mordfantasien, und bestätigt sich gegenseitig, dass man Abschaum sei, denn: Selbst- als auch Frauenhass bestimmen das komplette Dasein der Incels.

Dieser permanente, und auch nur vermeintliche Kränkung ist untragbar, und so findet sie ihr Wiedergutmachung im Terror gegen Frauen, wie Männer wie Rodger, Minassian, oder Scott P. Beierle beweisen.

Doch Incels sind keine „schwarzen Schafe“, sondern ihre Ideologie ist in patriarchalen Verhältnissen verwurzelt: der Glaube, man hätte das Recht auf Sex oder die Abwertung von Frauen und deren selbstbestimmter weiblicher Sexualität sind auch außerhalb von Incel-Foren hinaus weit verbreitet.

 

Content Warning: In dem Vortrag werden Misogynie und sexuelle Gewalt (auch gegen Kinder), als auch Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Transphobie behandelt.

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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9
Jul
18:00 bis 20:00
SH 1.104
09.07.19

Als begriffsklärende Einführungsveranstaltung konzipiert geht der Vortrag zunächst der Geschichte feministischer und queerer Begriffsfindung auf den Grund: Wozu brauchten sie in ihren Kämpfen Begriffe und mit welchen Begriffen waren sie konfrontiert? Wie kommt es, dass auch heute noch für jede queerfeministische Wortergreifung vermeintlich ein Glossar gereicht werden muss? Spätestens seit den 1960er Jahren haben Feministinnen mit Sprache im doppelten Wortsinne gekämpft. Wie haben sich die Begriffe queerer und feministischer Forschung aber auch der politischen Kämpfe seither verändert? All dies sind Fragen, auf die der Vortrag eingeht und die zudem in einen internationalen Kontext gestellt werden. Insbesondere finden die Theoriewanderungen und kulturellen Übersetzung zwischen Deutschland, Frankreich und den USA Berücksichtigung.

Eingangs werde ich auf die gestellten Fragen nach der Begriffsbildung im Kontext queerfeministischer Wissenschaftskritik eingehen. Es wird sich zeigen, dass die benutzen Begriffe mit einem Gepäck von Analysen und Kritiken daherkommen und als Interventionen in bestehende traditionelle Wissensordnungen einzugreifen versuchten.

Begriffe waren aber auch innerhalb feministischer und queerer Wissenschaft nicht unumstritten. Dabei lagen nicht nur teils verschiedene Analysen den ausgetragenen Konflikten zugrunde, zum Teil wurden an Begriffe auch politische Strategien und Hoffnungen geknüpft. Diese verraten dabei auch oft die ihnen zugrunde liegenden Utopien oder Gesellschaftsprojekte, die im Feminismus und in queeren Politiken mitunter sehr verschieden ausfallen können.

Nicht zuletzt werde ich einige Ergebnisse meiner Doktorarbeit ausführen, die von den feministischen Gender-Debatten in Frankreich handelte. Diese teils heftigen innerfeministischen Debatten drehten sich um eine Kategorie, die – bevor sie heute meist Zielscheibe rechter und maskulinistischer Politiken geworden ist – von der vorherigen Frauen- und Geschlechterforschung mehr als kritisch betrachtet wurde. Warum löste diese Forschungskategorie unter feministischen Forscher_innen soviel Unmut aus? Wie hat sich der Begriff schließlich doch durchgesetzt und was lernen wir daraus über queerfeministische Begrifflichkeiten?

Max-Horkheimer-Straße 4,
Frankfurt am Main,
Deutschland
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