Cornelia Goethe Centrum

#4GenderStudies – Dr. Christine Löw (Politikwissenschaft): Corona, postkolonialer Feminismus und Necropolitics in Indien

Hunger und Einkommensausfälle durch die Pandemie-Maßnahmen betreffen vor allem arme Frauen*, die durch intersektionale Geschlechter-, Klassen- und Kastenverhältnisse benachteiligt sind und bereits vor dem Lockdown unterernährt waren (Rao 2020). Vielen ländlichen Frauen* bleibt oftmals nur Arbeiten im Rahmen des staatlichen Beschäftigungsprogramms MNREGA, jedoch ohne social distancing.
Ausgehend von diesen Entwicklungen zeige ich aus einer postkolonial-feministischen Betrachtung, dass sich die necropolitische Orientierung (Mbembe 2003, 2019) des indischen Staates in der Coronapandemie verschärft: dem Leben ländlicher Frauen* wird trotz formal gleicher Staatsbürger*innenrechte weniger Wert beigemessen. Aktuell erhöht sich ihr Sterberisiko, weil sie sich entscheiden müssen zwischen körperlichen Tätigkeiten ohne Distanz (livelihood) und Verhungern (life). Zudem steigert der Staat weiter die Ernährungsunsicherheit. Indigene und Dalit-Frauen, organisiert in sozial-ökologischen Netzwerken, setzen sich gegen diese Hierarchisierungen von ‚Leben‘ zur Wehr (Food Sovereignty Alliance 2020).

CHRISTINE LÖW ist Postdoc am Institut für Politikwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Kämpfen sozialer Bewegungen zur Verteidigung von ökologischen Gemeingütern in Indien aus einer dekolonial feministischen Perspektive.

Der Wissenschaftstag #4GenderStudies findet dieses Jahr zum vierten Mal statt. Das Centrum und seine Mitglieder möchten anlässlich des Wissenschaftstags einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche der Geschlechterforschung ermöglichen. Fünf Kurzvorträge aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen sollen Gelegenheit bieten, einen Eindruck von der Vielfalt der Gender Studies zu bekommen.

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