Cornelia Goethe Centrum

Angela Davis Gastprofessorin 2015: Chandra Talpade Mohanty

Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse hat zu Beginn des Wintersemesters 2013/ 2014 die Angela Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies eingerichtet. Die Gastprofessur dient der Förderung internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bereich Gender und Diversity. Die Einweihung durch die Namensgegeberin, Angela Davis, Professorin der University of California, Santa Cruz, im Dezember 2013 hat national und international großes Aufsehen erregt. Mit mehreren öffentlichen Auftritten und einem Blockseminar für Studierende am Cornelia Goethe Centrum hat Prof. Davis einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wichtige Impulse für kritische Gender und Diversity Studies in Frankfurt gegeben. Nach dem erfolgreichen Auftakt soll die Gastprofessur künftig alle zwei Jahre mit einer international renommierten Frauen- und Geschlechterforscher_in besetzt werden.

Chandra Talpade Mohanty

Over the last two decades, Chandra Talpade Mohanty has produced an extraordinary body of writings on transnational feminism, radically changing the way we think about such categories as ‚third  world  women‘, ‚women  of color‘ and
‚globalization‘.   (Angela Davis)

Chandra Talpade Mohanty

Chandra Talpade Mohanty gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen postkolonialen Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen. Sie versteht sich als antirassistische Feministin und sieht sich in der Tradition sozialistischer Feministinnen und feministischer Theorien des ‚Globalen Südens‘ verwurzelt. Mohantys Forschungsinteresse gilt transnationaler feministischer Theorie, postkolonialen Studien, Analysen des Imperialismus und des Rassismus, antirassistischer Pädagogik und antikapitalistischer Kritik.

In ihren Texten analysiert sie die verschränkten Machtrelationen von Kolonialismus, Rasse, Klasse und Geschlecht. ‚Dekolonisierung‘,  das heißt die kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe auf allen Ebenen ist für sie eine vorrangige, wissenschaftliche und zugleich politische Frage, die zeigt,
wie der Reichtum Weniger mit der Armut Vieler zusammenhängt.

International berühmt wurde Mohanty mit ihrem Aufsatz „Under Western Eyes: Feminist Scholarship and Colonial Discourses“ (1984). Der Artikel ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und gehört zu den Grundlagentexten der Frauen- & Geschlechterforschung weltweit. Mohanty kritisierte in diesem Beitrag exemplarisch am Beispiel einiger Texte der ZED Press-Reihe „Frauen in der Dritten Welt“ ein Verständnis von ‚Dritte-Welt-Frauen‘ als einheitliche und machtlose, durch ihren Opfer-Status gekennzeichnete Gruppe. Sie zeigt, dass diese Annahme auf einer kolonialen Perspektive beruht.

Rechtliche, ökonomische, religiöse und familiäre Strukturen in ‚Dritte-Welt-Ländern‘ werden als ‚unterentwickelt‘ konstruiert, mit der Konsequenz, dass Subjektivität und Handlungsfähigkeit privilegierten westlichen Feminismen vorbehalten bleiben. Kolonialismus, Kapitalismus, Rassismus und Sexismus/ Heteronormativität sind, so zeigt Mohanty, miteinander verschränkte Strukturen und Ideologien und müssen in ihrem Zusammenwirken analysiert werden.

Heute misst sie globalisierungskritischen Analysen und transnationaler feministischer Solidarität eine viel größere Bedeutung bei als noch in den 1980er Jahren. In ihrem 2003 erschienenen Buch „Feminism Without Borders: Decolonizing Theory, Practicing Solidarity“ skizziert Mohanty ein visionäres Gesellschaftsmodell.

Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch ein selbstbestimmtes und kreatives Leben führen kann, frei von Misogynie, Heteronormativität, Homophobie, Rassismus, dem Zwang zur Lohnarbeit in unliebsamen und ausbeutenden Arbeitsverhältnissen, ökonomischen Unsicherheiten und der Ausbeutung ökologischer Ressourcen.

Kritiken an ihrem Aufsatz aus dem Jahr 1984 aufgreifend plädiert sie in diesem Buch sowie in dem im gleichen Jahr veröffentlichten Aufsatz „‚Under Western Eyes‘ revisited: Feminist Solidarity through Anticapitalist Struggles“ für solidarische, feministische Anti-Globalisierungsbewegungen von Drittwelt bzw. 2/3 Welt-Ländern und westlichen bzw. 1/3 Welt-Ländern.

Mehr über unsere diesjährige Gastprofessorin Chandra Mohanty gibt es auf unserer Homepage und auf dem Factsheet.

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