Cornelia Goethe Centrum

VERSCHOBEN: GRADE Center Gender Workshop „Forschungswerkstatt Fem4Dem“ am 21. Januar 2022

Liebe Mitglieder des GRADE Centers Gender, fortgeschrittene Studierende, Doktorand*Innen und Post-Docs,

leider müssen wir den Workshop des GRADE Centers Gender mit Dr. Meltem Kulaçatan zum Thema „Forschungswerkstatt Fem4Dem“ am 21.01.2022 verschieben. Zur Sicherheit der Teilnehmer*innen und unserer Mitarbeiter*innen möchten wir in der aktuellen Situation auf eine Präsenzveranstaltung verzichten und den Workshop mit Ihnen im Sommersemester in Präsenz nachholen. Der neue Termin wird zu Semesterbeginn bekannt gegeben.

 

Abstract: In diesem Workshop steht die Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft im Mittelpunkt. Ausgehend vom Projekt Fem4Dem (Frauen für Demokratie), werden hier spezifische Aspekte im Kontext von Migration, Fluchtmigration, Gender, Religion und Sozialer Arbeit betrachtet.

Das Projekt Fem4Dem ist ein wissenschaftlich regelgeleitetes und interventionsbasiertes Forschungsprojekt der beiden Universitäten Frankfurt am Main und Osnabrück zu Mädchen- und Frauenarbeit. Es richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen auf kommunaler Ebene, die hinsichtlich ihrer Identität, ihrer Selbstorganisation und ihrer Zielgruppen auf Frauen und Mädchen ausgerichtet sind. Dabei wurden Akteurinnen in den Fokus genommen, die sich selbst als »muslimisch«, als »migrantisch« und als »selbstorganisiert« positionieren. Nach der ersten Förderphase (Fem4Dem I 2019) wird das Projekt für die zweite Förderphase (Fem4Dem II 2020-2021) um den Aspekt Jungen- und Männerarbeit erweitert. Fem4Dem steht im Kontext der Demokratieförderung mit besonderem Bezug zum Nationalen Präventionsprogramm und zum Strategiepapier der Bundesregierung zur Extremismusprävention. »Interventionsbasiert« bedeutet so viel wie »am konkreten Handeln, an der konkreten Umsetzung, an der Anwendung orientiert«.

Diese Initiativen legen mit der Wissenschaft einen gemeinsamen Weg zurück, der daraufhin angelegt ist, sie über die kurzfristige Finanzierung kleinerer Projekte zu fördern und ihre Situation zu verbessern. Voraussetzung dafür ist, dass das betreffende Projektanliegen als förderungswürdig anerkannt wird. Dieser kommunikative und kooperative Ansatz bringt Erkenntnisse mit sich, die die Politik bei Entscheidungen in den gegebenen Themenfeldern beratend unterstützen können. Das Projekt geht von der Prämisse aus, dass gerade junge Musliminnen in den genannten Handlungsfeldern eine wichtige Rolle in der universellen Prävention gegen Radikalisierung leisten. Dieser Prämisse liegt ein breit gefasstes Verständnis zum Begriff Radikalisierung zugrunde. Gegenwärtig entstehen in allen Regionen Deutschlands auf kommunaler Ebene viele Initiativen von muslimischen Frauen, die sich demokratiebildend und damit präventiv positionieren. Demgegenüber lässt sich der neue muslimische Mann identifizieren, der partnerschaftlich und egalitär an die Seite der Frau tritt und einen Teil dieser Arbeit übernimmt. Das verweist auf Prozesse, die sich verstetigen und intensivieren. Dazu gehört auch die Perspektive von Organisationen, die Queer- und Transmenschen adressieren, jedoch aus dem Raster der primär binär kodierten muslimischen und migrantischen Wahrnehmung herausfallen. Das gilt sowohl für die intra-muslimische Binnenperspektive als auch für die Außenwahrnehmung. Hier wirkt Fem4Dem verbindend und strukturbildend.

In Deutschland liegen bereits Studien vor, die sich mit Muslim*innen in Deutschland befassen. Fokussiert werden religionsverbandliche Strukturen, Handlungsfelder der Gemeinden und religiöse Orientierungen bei Jugendlichen. Bislang fehlt es an Studien, die sich mit der muslimischen Zivilgesellschaft außerhalb der verbandlichen Strukturen und der niederschwelligen Selbstorganisation von Musliminnen und Muslimen befassen – dies insbesondere hinsichtlich muslimischer Mädchen und junger Frauen. Fem4Dem leistet einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke.

Literaturhinweise:

·         Strukturen schaffen, gemeinsam handeln und Qualität sichern

Eine Handreichung zur Ausrichtung und Zukunft der Radikalisierungsprävention und -intervention mit dem Schwerpunkt des islamistischen Extremismus in Deutschland auf der Grundlage eines systematischen Mappings der Präventionslandschaft: https://www.mapex-projekt.de/publikationen/, 2021.

Bei diesen Quellen handelt es sich um das Projekt Mapex, an dem die Projektleiter:innen von Fem4Dem beteiligt waren. Ergebnisse aus Mapex sind in das Projekt Fem4Dem eingeflossen. Die Publikationen können heruntergeladen oder unentgeltlich bestellt werden. Folgende Kapitel sind zu empfehlen:

Behr, Harry Harun/Kulaçatan, Meltem/Sitzer, Peter: Extremismusprävention in der Schule am Beispiel des Präventionstheaters, 83 – 111).

 

Soziale Arbeit, Fluchtmigration, Migration

·        Greschner, Deniz (2020): Muslimische Jugendarbeit: Handlungsfelder und Herausforderungen im Kontext von Sicherheitsdiskursen; Infodienst Radikalisierungsprävention, URL: https://m.bpb.de/politik/extremismus/radikalisierungspraevention/316281/muslimische-jugendarbeit

·        Kollektiv „Dagegenhalten“, Prof. Uta Ruppert/Schwerpunkt Globaler Süden (Hg.): https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/Kollektiv-Dagegenhalten.-Zivilgesellschaftliche-Solidaritaeten-gegen-das-EU-Grenzregime.pdf?fbclid=IwAR3IX927p0wkPfFQ0Sa2Qgq9GQQMKHfM5Dmy43Z_xldmqcSr3MdRxKqxSTk, 33 – 44.

·        Logeswaran, Araththy (2020): Heute Differenz, morgen Ähnlichkeit – Ein Ausblick für die Soziale Arbeit. In: Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft und muslimische Wohlfahrtspflege, PERSPEKTIVEN 2/2020, 53-64.
Online verfügbar: https://journals.ub.uni-osnabrueck.de/index.php/perspektiven/article/view/92

·        Tunç, Michael (2021): Väterlichkeiten und Care-Verantwortung geflüchteter Männer im Spannungsfeld von Transformation und Beharrung. Forumsbeitrag für das Themenheft „Flucht und Männlichkeiten“ der Zeitschrift für Flüchtlingsfor-schung (Z’Flucht). Jg. 5. H. 1/2021. S. 158–174. Doi: https://doi.org/10.5771/2509-9485-2021-1-158 

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