Cornelia Goethe Centrum

Workshop „Care als Grenzobjekt“ am 21.11.22

Care als Grenzobjekt
Konzeptualisierung von Sorge jenseits von dichotomen Kategorien

Einladung zu einem gemeinsamen Workshop der GRADE Center AGING und GENDER
der Goethe-Universität Frankfurt am Main
am Montag, 21. November 2022, 12:15 Uhr bis 15:45 Uhr
in Präsenz (Seminarhaus Raum 1.109)
Inhalt:

Nicht zufällig sind in den letzten Jahren Fragen nach Care/Sorge sowohl im Sinne vertrauensvoller Zuwendung als auch im Sinne liebender Pflege mehr und mehr sowohl in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses als auch sozialwissenschaftlicher Debatten gerückt. Trotz (oder wegen) der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Themas und des steigenden wissenschaftlichen Interesses, bleibt Care häufig untertheoretisiert. Sorgepraktiken werden häufig mit rein positiver, erstrebenswerter zwischenmenschlicher Nähe assoziiert. So geraten einerseits Prozesse der Auflösung von Bindung oder Ausgrenzung durch Sorge und andererseits deren Bedeutung für politische Kollektive aus dem Blick. Insgesamt geht die Ambivalenz von Sorge als gleichzeitig liebevolles Kümmern im privaten Haushalt und gleichzeitig Kontrolle und Ausgrenzung scheinbar nicht verdienter EmpfängerInnen verloren. In diesem Workshop soll daher der Blick aus Care breiter gefasst werden und über verschiedenen Praktiken die Ambivalenz und weitere Bedeutung von Care für Grenzziehungsprozesse in den Mittelpunkt stellen. Dabei geht es zum einen um die Grenzen des Staates anhand seiner „privaten“ Gegenüber (Familie und Zivilgesellschaft) und zum anderen um die Bedeutung von Sorge in der Herstellung politischer Zugehörigkeit. Eine Anleihe aus dem Umfeld der Wissenschafts- und Technikforschung um Sorge als Grenzobjekt (boundary object) zu verstehen, kann hier hilfreich sein.

Der Workshop vermittelt einen Überblick über zentrale Themen in diesem Zusammenhang. Anhand der gemeinsamen Lektüre sowie der Diskussion ethnographischer Vignetten soll gefragt werden:

  • Wie entstehen durch Care bedeutsame Bindungen?
  • Unter welchen Umständen lösen sie sich auf?
  • Wie (re)produziert Care Grenzen zwischen privat und öffentlich?
  • Wann wirkt Care auf wen ausschließend?
Dozentin: Prof. Dr. Tatjana Thelen

Tatjana Thelen ist Professorin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien. Nach der Promotion an der Freien Universität Berlin war sie am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung sowie an den Universitäten Zürich und Bayreuth tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen Care und Staat, Verwandtschaft, Differenz und soziale Sicherung, (post)sozialistische Gesellschaften sowie relationale Theorie. Zu Ihren Schriften zählt unter anderem Care/Sorge. Konstruktion, Reproduktion und Auflösung bedeutsamer Bindungen. Bielefeld: transcript sowie Care as Belonging, Difference, and Inequality. In: Oxford Research Encyclopedia of Anthropology.

Anmeldung:

Der Workshop ist an Masterstudierende, Doktorand*innen und Postdocs gerichtet. Um sich anzumelden, schicken Sie bitte bis zum 14. November 2022 eine E-Mail an: natalie.merkel@stud.uni-frankfurt.de.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Organisation: Annette Hilscher (M.A.) und Dr. Miranda Leontowitsch

Veranstalter*innen: Prof. Dr. Frank Oswald (GRADE Center Aging) und Dr. Johanna Leinius (GRADE Center Gender)