Cornelia Goethe Centrum

#4GenderStudies -Podiumsgespräch am 14.12.: Trans*itionen (an) der Hochschule

Das Podiumsgespräch Trans*itionen (an) der Hochschule: trans* und nicht-binäre Personen und Perspektiven findet am 14.12.2022 18-20 Uhr c.t. im Casino (Cas 1.811) am Campus Westend statt. Die Veranstaltung kann auch im Livestream auf unserem YouTube-Kanal verfolgt werden. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Trans*itionen (an) der Hochschule: trans* und nicht-binäre Personen und Perspektiven

in Kooperation zwischen dem Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse, Goethe-Universität Frankfurt und dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung, Philipps-Universität Marburg. Mit Unterstützung des Gleichstellungbüros, Goethe-Universität Frankfurt

Nachdem in schon 12 Ländern – unter anderem in Irland, Malta, Norwegen und der Schweiz –  die selbstbestimmte rechtliche Änderung des Geschlechtseintrags möglich ist, hat auch die Bundesregierung beschlossen, ein einfaches und einheitliches Verfahren für die Änderung des Geschlechtseintrags und des Vornamens einzuführen. Trans*, inter und nicht-binäre Personen können dann ihre persönlichen Dokumente (also z.B. Personalausweis, Zeugnisse, Führerschein, Steuernummer, EC-Karten) durch Selbsterklärung vor dem Standesamt ändern lassen. Das ist wichtig, um im Alltag nicht wiederholtem Erklärungsdruck, Zwangsouting und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Das Selbstbestimmungsgesetz soll das mittlerweile 40 Jahre alte Transsexuellengesetz (TSG) ablösen. Teile des TSG wurden vom Bundesverfassungsgericht wiederholt für verfassungswidrig erklärt, da sie die Grundrechte und die Würde von trans* Personen verletzen. Die Abschaffung des TSG wird seit Jahrzehnten von Community-Verbänden und Aktivist*innen gefordert. Die Gesetzesinitiative wird momentan von der Bundesregierung erarbeitet, seit Juni liegt hierzu ein Eckpunktepapier vor; Ende dieses Jahres soll das parlamentarische Verfahren beginnen. Der Gesetzesvorschlag wird dann den Bundesrat und den Bundestag in mehreren Lesungen durchlaufen und dabei ausführlich debattiert werden.

Während sich auf Ebene der Gesetzgebung Verbesserung abzeichnen, nimmt die Gewalt gegen trans*, inter* und nicht-binäre Personen zu: Laut dem Bundesinnenministerium hat 2021 die Gewalt gegenüber Personen aufgrund ihres (wahrgenommenen) Geschlechts bzw. sexueller Identität gegenüber dem Vorjahr um 66,7 Prozent zugenommen – die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher. Im September diesen Jahres verstarb der trans* Mann Malte C.  an den Folgen eines transfeindlichen Angriffs nach dem CSD Münster. Die diese Geschehnisse begleitende öffentlichen Debatte nimmt insbesondere in den sozialen Medien immer wieder diskriminierende und menschenfeindliche Züge an.

Hochschulen als Orte des Studiums, des Forschens, des Lehrens, des Verwaltens und der Interaktion und Kommunikation sind Teil und Austragungsort dieser gesellschaftlichen Transitionen. Gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse und Ausschlüsse spiegeln sich in ihren Räumen wieder. Gleichzeitig  wollen wir fragen, wie  Hochschulen zu Orten der Transformation, der Trans*ition und der Selbstbestimmung werden können.

In unserem Podiumsgespräch, das im Kontext des Wissenschaftstags #4GenderStudies steht, bringen wir verschiedene trans* und nicht-binäre Personen und Perspektiven in einen Dialog, um gemeinsam zu ergründen, wie es um die Trans*itionsfähigkeit deutscher Hochschulen bestellt ist.

Moderiert wird das Podiumsgespräch von Bettina Kleiner (sie/ihr), geschäftsführende Direktorin des Cornelia Goethe Centrums, und Johanna Leinius (sie/ihr), wissenschaftliche Geschäftsführerin des Cornelia Goethe Centrums.

Teilnehmende des Podiumsgesprächs

  • Viktoria Ehrke (sie/ihr) / Studentin Philipps-Universität Marburg
  • Lann Hornscheidt (keine Pronomen oder ens), schreibt, verlegt und handelt diskriminierungskritisch-aktivistisch an der Schnittstelle von Literatur und Wissenschaft
  • René_ Rain Hornstein (em/ems), Promovend*in, Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin und Technische Universität Braunschweig
  • Samuel Kuhnle (dey/denen), Autonomes Queerreferat, Goethe-Universität Frankfurt
  • Katharina Völsch, Leitung Antidiskriminierungsstelle, Philipps-Universität Marburg

Viktoria Ehrke (sie/ihr) studiert Informatik an der Philipps-Universität Marburg und engagiert sich für die Selbstbestimmung von TIN* Personen in der Universität. Sie ist Hochschulpolitisch in der Rosa Liste aktiv und für diese auch in das Studierendenparlament gewählt.

Lann Hornscheidt (kein Pronomen oder ens), schreibt und verlegt Bücher zu Sprache und Gewalt und Lieben als politisches Handeln. Handelt diskriminierungskritisch-aktivistisch an der Schnittstelle von Literatur und Wissenschaft.

René_ Rain Hornstein (em/ems), Dipl.-Psych.*in, erforscht internalisierte Trans*-Unterdrückung im Rahmen eines psychologischen Dissertationsprojektes an der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin in Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig. Hornstein engagiert sich für die Rechte von trans*, inter* und nicht-binären Menschen in verschiedenen Kontexten, z.B. im Rahmen der AG trans*emanzipatorische Hochschulpolitik oder im Rahmen der TIN-Rechtshilfe auf juristischer Ebene. Publikationen, Vortragsaufzeichnungen und einen Podcast finden sich unter www.rhornstein.de

Samuel Kuhnle (dey/denen) studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Dey ist Grafikdesigner*in und Jugend- und Heimerzieher*in und bewegt sich seit Jahren aktivistisch wie beruflich zwischen den Intersektionen, von denen Queere Menschen sowie People of Color betroffen sind. An der Goethe-Universität ist Samuel Kuhnle als gewählte Referent*in des Autonomen Queer-Referats der Universität engagiert.

Katharina Völsch (sie/ihr),  ist Kulturwissenschaftlerin und social justice Trainerin. Seit 2019 leitet sie die Antidiskriminierungsstelle der Philipps-Universität Marburg und ist dort in den Bereichen Antidiskriminierungsberatung, Prävention und Sensibilisierung sowie Strukturentwicklung tätig. Katharina Völsch positioniert sich als weiße, lesbische cis Frau und queere Mutter. Sie ist in der DDR geboren und aufgewachsen, able-bodied und studierte als eine der ersten in ihrer Familie.

Zeit & Ort

Mittwoch, 14.12.2022, 18-20 Uhr
Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt, Raum Cas 1.811
und
im Livestream auf dem Youtube-Kanal des Cornelia Goethe Centrums