Cornelia Goethe Centrum

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22
Nov
18:00 to 20:00
22.11.17

Der nicht-invasive Pränataltest (NIPT), der seit 2012 auf dem Markt ist, ist gesellschaftlich umstritten. Mit dem NIPT kann anhand des Bluts der schwangeren Frau früh getestet werden, ob das werdende Kind eine Trisomie wie das Down Syndrom hat. Der NIPT ist Thema zahlreicher Stellungnahmen, Veranstaltungen oder Proteste verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteur*innen. Kritisiert und befürchtet werden die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, die Entsolidarisierung in der Gesellschaft oder das zunehmende Risikomanagement in der Schwangerenvorsorge. Zwar scheinen sich alle Akteur*innen darin einig, dass der NIPT gesellschaftliche und ethische Grundsatzfragen aufwirft, jedoch werden sie im bisherigen Entwicklungs- und Etablierungsprozess nirgends verhandelt. Wie kommt es dazu?
Insbesondere zwei Mechanismen führen dazu, dass die Verhandlung grundsätzlicher Fragen weitgehend verunmöglicht wird. Der NIPT wird erstens als Angelegenheit persönlicher Abwägung definiert. Zweitens basiert die politische Steuerung des NIPT auf einer institutionell abgesicherten Trennung zwischen technischer und normativ-politischer Bewertung, wodurch die Zuständigkeiten fragmentiert werden.

Kommentar: Thomas Lemke, Goethe-Universität Frankfurt

Sabine Könninger lebt und arbeitet als Politikwissenschaftlerin in Berlin. Sie forschte zum nicht-invasiven Pränataltest am Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (imew.de). Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der IAG Gentechnologiebericht. Ihre Schwerpunkte sind Ethik- und Biomedizinpolitiken, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte sowie politikwissenschaftliche Wissenschafts- und Technologieforschung. Sie ist Autorin des Buchs „Genealogie der Ethikpolitik“ (2016, Transcript Verlag).

Lecture language: German

13
Dec
18:00 to 18:00
13.12.17

Die Ideologie des Familismus, die die gesellschaftliche Organisationsnorm aus dem Konzept einer „Idealfamilie“ ableitet, prägt seit Jahrhunderten Politik und Sozialstruktur in Deutschland und in anderen westlichen Ländern wesentlich mit. Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat. Und schon gar nicht war sie zu allen Zeiten die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen. Familismus ist eine Spielart des Antifeminismus, denn nach der familistischen Ideologie herrschen in der he-
terosexuellen, leiblichen Kleinfamilie, die immer aus Vater, Mutter und Kind(ern) besteht, komplementäre Rollenaufteilungen entlang der Geschlechterlinien. In meinem Vortrag führe ich aus, wie „moderne“ Reproduktionstechnologien die Bedeutsamkeit der „Blutsbande“ und die Sentimentalisierung der leiblichen Kleinfamilie verstärken, für die es scheinbar keine Alternative gibt. Angesichts der „neuen“ rechtspopulistischen Akteur*innen, die Familie der „menschlichen Sozialnatur“ zuordnen, hat der Familismus Hochkonjunktur. Dennoch geht, wie ich zeigen werde, die gelebte Realität vielfältige andere Wege, die das ideologische Gemälde von der „Normalfamilie“ unterwandern.

Kommentar: Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Justus-Liebig-Universität Gießen

Gisela Notz, freie Autorin, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, Berlin. Sie war bis 2007 wissenschaftliche Referentin mit dem Schwerpunkt Frauenforschung im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, langjährige Redakteurin der Zeitschrift „beiträge zur feministischen theorie und praxis“, von 2004 bis 2010 Bundesvorsitzende von pro familia, und schrieb zahlreiche Bücher zu historischen und aktuellen Themen, die vor allem Leben und Arbeit von Frauen betreffen.

Lecture language: German

17
Jan
18:00 to 18:00
17.01.18

Seit Anfang der 2000er Jahre steigt in Deutschland die Zahl der lesbischen und queeren Frauen*paare, die über Samenspenden Kinder bekommen. Die entstehenden Familienkonstellationen sind vielfältig, die Routen der Reproduktion ebenso: Heteronormative rechtliche Rahmenbedingungen und institutionelle (Nicht-)Adressierungen lesbisch-queerer Lebensformen erschweren in Deutschland den Zugang zu Reproduktionskliniken – neben Reisen in Länder mit einem liberaleren Zugang zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen nutzen die Paare häufig Do-it-yourself-Praktiken wie die Selbstinsemination.Die Grundlage des Vortrags bilden 21 qualitative Interviews mit lesbischen und queeren Frauen*paaren aus Deutschland, die über eine Samenspende Kinder bekommen haben. Zunächst werden Ausschlüsse nicht-heterosexueller Lebensweisen auf rechtlicher und medizinischer Ebene in den Blick genommen und „Othering“-Prozesse nachgezeichnet. Unter Rückgriff auf Perspektiven der Queer Studies und der Feminist Science and Technology Studies stehen im Anschluss die verschiedenen Aneignungsweisen der lesbischen und queeren Akteurinnen* im Zentrum sowie die Frage, inwiefern ihre reproduktiven Praktiken heteronormative Vorstellungen von Familie, Verwandtschaft, Geschlecht und Reproduktion herausfordern.

Kommentar: Kira Kosnick, Goethe-Universität Frankfurt

Sarah Dionisius studierte Politikwissenschaft an der Goethe-Universität und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie am Schwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft. Sie promoviert zur Frage einer Neuverhandlung von Familie, Verwandtschaft und Geschlecht durch lesbische und queere Paare. Seit 2015 arbeitet sie bei rubicon e.V. in Köln und berät Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und queere Personen zu Familiengründung und Elternschaft.

31
Jan
18:00 to 20:00
31.01.18

The ambitious, anti-natal goals set by the 2012 London Family Planning Summit have not been reached. Yet the effort to reach 120 million women with modern contraception has had profound impacts on population policy. Heralded as the “rebirth of family planning” the Summit marked another rebirth: that of explicit targets and coercion in such policies. In this talk, Anne Hendrixson will examine how the use of targets and coercion has reinforced and hardened problematic ideas about fertility, gender, sexuality, race and place in locating bodies for intervention. Young, brown women in the global South, particularly Africans, are thought to determine the future of the global population size. They are the targets for long-
acting reversible contraception in the name of women’s empowerment, lowering global birth rates, environmental sustainability and economic efficiency. However, far from being a “rebirth”, these efforts narrow sexual and reproductive health agendas and stigmatize “overly fertile” young women. The case of Depo-Provera, among others, shows how fertility control too often takes precedence over other pressing reproductive health concerns, like preventing HIV transmission and acquisition, to the detriment of young women’s health.

Kommentar: Susanne Schultz, Goethe-Universität Frankfurt

Anne Hendrixson is a social scientist. She is the Director of PopDev, the Population & Development Program at Hampshire College in Amherst, Massachusetts in the U.S. where she teaches undergraduate students in the School of Critical Social Inquiry. Anne is a reproductive justice advocate, who writes about the dangers of today’s population control.

Lecture language: English

 

7
Feb
18:00 to 20:00
07.02.18

In der Panelveranstaltung diskutieren Frankfurter Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Vereinigungen und die Veranstalterinnen der Vorlesungsreihe politische Fragen rund um aktuelle Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin. Offene Fragen aus der Vorlesungsreihe werden aufgegriffen und zur Diskussion gestellt.

· Wie können die Interessen derjenigen in die öffentliche Diskussion eingebracht werden, deren Belange durch einen isolierenden Blick auf reproduktionsmedizinische Verfahren, Kinderwunschpaare und Kliniken ausgeblendet werden?

· Wie reagieren wir auf Leihgebären und Eizellverkauf als neue Arbeitsverhältnisse?

· Hier und weltweit zielen vielfältige politische Strategien darauf ab, be-
stimmte Geburten zu fördern und andere zu verhindern ‒- welche politischen Antworten sind hierfür angemessen?

· Welche Positionen lassen sich aus einer queerfeministischen, behindertenpolitischen und antirassistischen Perspektive gemeinsam entwickeln?

· Was bedeuten diese Perspektiven für das Verständnis von Familie und kollektive Formen des Zusammenlebens mit Kindern und wie können sie in die Debatte um ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz eingebracht werden?

Lecture language: German

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