Cornelia Goethe Centrum

Cornelia Goethe Colloquien im Wintersemester 2019/20

Die Cornelia Goethe Colloquien sind ein offenes Diskussionsforum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Interessierte* sind herzlich eingeladen!

In diesem Semester stehen die Colloquien unter dem Titel:

Trans*Formationen

Die Kämpfe von Trans*Personen werden seit einigen Jahren verstärkt sichtbar. Mit der zunehmenden rechtlichen Anerkennung („Dritte Option“) stellt sich in Bezug auf die Aufrechterhaltung zweigeschlechtlicher Ordnungen die Frage nach Spielregeln, Begründungen, Widerständen und Sanktionen. Gleichzeitig werden die vielfältigen Lebensweisen, –realitäten und -erfahrungen von Trans*Personen vor allem im Kontext der Trans* und Queer Studies verstärkt untersucht und diskutiert. Im Rahmen akademischer und aktivistischer Kontexte wird dabei ein Perspektivenwechsel initiiert: Zuvor marginalisierte Perspekti ven, Erfahrungen und Wissensproduktionen von Personen, die sich als nicht-binär, trans*, inter*, gendervariant oder gender-nonkonform verstehen, werden ins Zentrum gerückt. Aus einer neuen Position wird so ein Licht auf vielfältige Trans*Lebensweisen geworfen.
Die sich seit zwei Jahrzehnten auch in Deutschland formierenden Transgender Studies nehmen diese Fragen in den Blick und verstehen sich explizit als (wissenschafts)kritisches Projekt. In Abgrenzung von Ansätzen, die Trans*Geschlechtlichkeit als Phänomen beleuchten, an dem sich das Normale und Allgemeine konkretisieren lässt, setzen die Transgender Studies Trans*Perspektiven zentral. Ausgehend von der Infragestellung der Norm naturalisierter Zweigeschlechtlichkeit und den Privilegien, die mit der Identifikation mit einem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht verbunden sind (Cisgenderismus), sind Analysen medizinischer und rechtlicher Regulierungen, unterschiedlich gelagerter Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen sowie eigensinniger Existenzweisen, kultureller und künstlerischer Artikulationen und Potenziale kollektiver Praktiken von Trans*Personen wichtige, inter/transdisziplinäre Forschungsfelder. So können nicht nur verändernde, objektivierende und pathologisierende Modi akademischer Wissenschaftsproduktion in Frage gestellt, sondern auch neues Wissen hervorgebracht werden. Als interdisziplinärer Ansatz weisen die Transgender Studies dabei vielfältige Schnittstellen mit anderen Forschungsperspektiven und Disziplinen auf.
Im aktuellen Colloquium werden insbesondere Fragen der Bildung und Pädagogik adressiert. Eröffnet wird die Vortragsreihe mit einer bildungstheoretischen Perspektive auf „Trans*Formati onen“. Zum Abschluss findet eine Podiumsdiskussion zu Trans*Pädagogiken und queerer Bildungsarbeit statt.
Dazwischen werden zentrale Positionen und aktuelle Fragestellungen der Transgender Studies vorgestellt und diskutiert: In welchem Verhältnis stehen Verletzungen und kollektive Praktiken? Welche besonderen Bedingungen kennzeichnen die Lebensrealitäten von Trans* of Color und geflüchteten und migrierten Trans*Personen? Welche Bedeutung haben sprachliche Bezeichnungen und Anrufungen im Zusammenhang mit gender-nonkonformen Lebensrealitäten und Positionalitäten? Welche Methoden und Methodologien sind für die Erforschung der Lebensrealitäten von Inter* und Trans*Personen angemessen? Was bedeutet es, Trans* zu imaginieren und wie ist es möglich, sich zu entscheiden, fluide, variabel, Trans* zu leben? Wie verhalten sich Trans* und Queer Studies zueinander. Und schließlich: Wie können Bildung und Anerkennung in diesen Zusammenhängen gestaltet werden?

Veranstalterin

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Bettina Kleiner, Marianne Schmidbaur, Franziska Vaessen, Tina Breidenich
Koordination: Lucas Schucht

Zeit und Ort

Goethe-Universität, Campus Westend,
Theodor- W.- Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, R. 1.G 191
jeweils mittwochs, 18-20 Uhr c.t.

Der Eintritt ist frei!

Hier geht es zum Download des Programmheftes.
Layout: Miguel Pardo, Grübelfabrik

Zum Titelmotiv

„A cymbal crashed, and roaring horns“ 2017, Öl auf Leinwand © Jesse Mockrin

JESSE MOCKRIN (b. Silver Spring, MD, 1981) received her M.F.A. from the University of California, San Diego, in 2011, and her B.A. from Barnard College, New York, in 2003. Mockrin has had solo exhibitions at Night Gallery (Los Angeles), Nathalie Karg Gallery (New York), and Galerie Perrotin (Seoul). In 2019, her work was acquired by the Dallas Museum of Art, and her work also appears in the collections of the Los Angeles County Museum of Art (LACMA), the Rubell Collecti on, the KRC Collecti on, and the Hans-Joachim and Gisa Sander Foundation. In 2017 she presented a solo project at Galerie Perrotin in Seoul, South Korea. Mockrin‘s work has been covered extensively, appearing in publicati ons including Artf orum, The New Yorker, Vogue, T Magazine, Modern Painters, and Art Agenda, among others. A catalogue for her solo exhibition Syrinx was produced by Night Gallery in 2019. She lives and works in Los Angeles.

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen:

Einzeltermine

29
Jan
18:00 bis 20:00
Campus Westend PEG-Gebäude
29.01.20

Der Vortrag Zugehörigkeit(en) im Trans*-Aktivismus von Yv Nay findet am 29.01.2020 von 18 bis 20 Uhr c.t. im PEG-Gebäude am Campus Westend statt.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Zugehörigkeit(en) im Trans*-Aktivismus

Vortragssprache: Deutsch

„The Transgender Tipping Point“: So betitelte 2014 das US-amerikanische Magazin Time eine der Cover-Storys und beschrieb damit die weitreichenden Errungenschaften von Transgender/Trans*-Aktivismus hinsichtlich rechtlicher Anerkennung und Sichtbarkeit von Menschen, die Geschlecht jenseits der herrschenden Normen leben. Zugleich ist seit einigen Jahren mit erstarkten rechtspopulistischen und christlich-konservativen Kräft en ein Backlash gegen Trans*Rechte und verstärkte trans*phobe Gewalt weltweit zu verzeichnen. Dieser spezifische Moment in derzeitigen Transgender/Trans*-Politiken ist der Ausgangspunkt für den Vortrag, in dem die affektiven Implikationen der Formierung politischer Gemeinschaften und von Politiken der Zugehörigkeit von Trans*-Aktivist*innen erörtert werden.

YV E. NAY, ist Gastprofessor*in am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Derzeit forscht Nay an einem Projekt unter dem Titel ’Affective Activism’, das gefühltes Erleben und politisches Engagement in Trans*Communities untersucht. Im Buch ’Feeling Family’ (2017) schreibt Nay über Erfahrungen und Politiken rund um Familien von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*Personen. Nay hat die Anthologie ’Affekt und Geschlecht’ (2014) mit herausgegeben und ist in der Herausgeber*innenschaft für die Sondernummer ’The Europa Issue’ von Transgender Studies Quarterly.

Ort & Zeit

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, PEG-Gebäude, Raum 1.G 191
29.01.2020, 18-20 Uhr c.t.

Veranstalterin

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Bettina Kleiner, Marianne Schmidbaur, Franziska Vaessen, Tina Breidenich
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

Theodor-W.-Adorno-Platz 6,
Frankfurt am Main,
Hessen,
Deutschland
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5
Feb
18:00 bis 20:00
Campus Westend PEG-Gebäude
05.02.20

Die Podiumsdiskussion: Geschlechtliche Vielfalt in KiTa, Schule, Hochschule und Jugendarbeit – bildungspraktische Perspektiven zur „dritten Option“ findet am 05.02.2020 von 18 bis 20 Uhr c.t. im IG-Farben-Haus am Campus Westend statt.

Info: Die Veranstaltung findet im Raum IG 311 im Erdgeschoss des IG-Farben-Hauses statt.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen können Sie dem Programmheft entnehmen.

Podiumsdiskussion: Geschlechtliche Vielfalt in KiTa, Schule, Hochschule und Jugendarbeit – bildungspraktische Perspektiven zur „dritten Option“

Vortragssprache: Deutsch

Moderation:
Tina Breidenich (Pädagogische Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität)

Podium:
Elena Barta (Amt für multikulturelle Angelegenheiten Frankfurt – LSBTIQ Koordinierungsstelle)
Conny-Hendrik Kempe-Schälicke (Bundessprecher*in GEW AG LSBTI, Senatsverwaltung Berlin)
Kai Klose (Hessischer Staatsminister für Soziales und Integration)
Marco Linguri (Teamer* bei SCHLAU – Bildungs- und Antidiskriminierungs-Arbeit)
Márcia Elisa Moser (Gleichstellungsbüro Goethe-Uni – Projektleitung „Diversity Kompetent“)

2017 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass eine dritte Personenstandskategorie in Deutschland eingeführt werden muss. Diese Entscheidung zur sogenannten „Dritten Option“ wurde damit begründet, dass Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen (wollen oder können), in ihren Grundrechten verletzt werden, wenn das Personenstandsrecht sie dazu zwingt, sich binär als weiblich oder männlich zu registrieren. Spätestens seit der veränderten rechtlichen Situation müssen sich Institutionen in u.a. Politik und Verwaltung aber vor allem auch Bildungseinrichtungen daher verstärkt mit der Lebensrealität von trans*, inter* sowie nicht-binären Menschen und deren Möglichkeiten zur Selbstbestimmung auseinandersetzen. Mit den Fragen, ob und wie dies geschieht, bleiben die Institutionen bisher oftmals sich selbst überlassen.

Darüber hinaus ist die Reproduktion sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem bisher vor allem belegt für die Ungleichheitsdimensionen Klasse, natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit und Geschlecht. Wie aber verhalten sich diese Dimensionen zu Heteronormativität und Cisgenderismus? Und wie müsste „Bildung“ an einer inklusiven und differenzreflexiven (Hoch)Schule aussehen, damit sexuelle und geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt und strukturelle Diskriminierungen systematisch abgebaut werden? Wie verhält sich schließlich Pädagogik zu Politik?

Ort & Zeit

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 311
Datum, 18-20 Uhr c.t.

Veranstalterin

Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC)
Konzeption: Bettina Kleiner, Marianne Schmidbaur, Franziska Vaessen, Tina Breidenich
Koordination: Lucas Schucht

Für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Kooperationspartner*innen!

Theodor-W.-Adorno-Platz 6,
Frankfurt am Main,
Hessen,
Deutschland
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Vergangene Cornelia Goethe Colloquien

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Booklet: Cornelia Goethe Colloquien im Sommersemester 2009

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Booklet: Kolloquium im Sommersemester 2008

Booklet: Kolloquium im Wintersemester 2007/2008

Booklet: Kolloquium im Sommersemester 2007

Booklet: Kolloquium im Wintersemester 2006/2007

Booklet: Kolloquium im Sommersemester 2006

Booklet: Kolloquium im Wintersemester 2005/2006