Geschlechtsidentität als empfundenes Geschlecht ist wesentlich für das im euroamerikanischen Raum derzeit vorherrschende Verständnis von Transgeschlechtlichkeit. Dieses fußt auf einem genuin sexuologischen Narrativ, demzufolge es Geschlechtstransitionen gibt, da für manche Menschen das eigene Erleben nicht zu dem somatischen Geschlecht – beziehungsweise dem Geschlecht, das ihnen mit Blick auf den Körper zugeschrieben wurde – passt. Aus dieser Inkongruenz erwachse der Wunsch nach einer Transition hin zum Leben in dem passenden Geschlecht.
Dieses Narrativ findet auch in sozialwissenschaftlicher Forschung immer wieder Verwendung, zusammen mit einem Verweis auf das Präfix trans (jenseits) als Gegensatz zu cis (diesseits), wobei cis Personen als jene verstanden werden, die sich mit dem qua Körper zugewiesenen Geschlecht identifizieren. In Anbetracht der in der Geschlechterforschung weithin akzeptierten Einsicht, dass Geschlechter und Körper auch sozial und diskursiv geschaffen werden, erscheint ein solcher Rekurs auf die Beziehung zwischen Identität und Körper eines Individuums jedoch voraussetzungsreich.
Dieser Workshop dreht sich um die Voraussetzungen und Konsequenzen verschiedener Trans-Verständnisse in sozialwissenschaftlicher Forschung. Ziel ist es, zu erarbeiten, wie Forschung über Trans als individualisierte Unpassung oder (Nicht-)Identifikation mit einem zugewiesenen Geschlecht hinausgehen kann. Ausgehend von der sexuologischen Geschichte geschlechtlicher In/kongruenz erarbeiten wir im Plenum und in Gruppenarbeit, wie Trans/Nicht-Trans üblicherweise unterschieden wird und welches Verständnis von Identität und Geschlecht einer solchen Unterscheidung zugrunde liegt. Im Anschluss diskutieren wir, welche Vorstellungen von Transgeschlechtlichkeit und trans Personen so in und durch sozialwissenschaftliche Forschung produziert und perpetuiert werden. Anhand der Textlektüre und Inputs der Workshopleitung widmen wir uns abschließend möglichen alternativen Verständnissen sowie deren Bedeutung für konkrete Forschungsvorhaben.
Die vorzubereitende Literatur wird nach der Anmeldung zugeschickt:
- Tara Gonsalves; Gender Identity, the Sexed Body, and the Medical Making of Transgender. Gender & Society 2020; 34 (6): 1005–1033. doi: https://doi.org/10.1177/0891243220965913
- Eric Llaveria Caselles; Contours of a Historical Materialist Theory of Transsexuality: Claiming a Hopeful Origin Story as a Personal and Political Necessity. TSQ 1 May 2024; 11 (2): 239–265. doi: https://doi.org/10.1215/23289252-11215483

Louka Maju Goetzke ist Mitarbeiter_in im Potentialbereich „Transition und Transgression: fluide Geschlechterbewegungen” der Universität Koblenz. Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von soziologischer Theorie, feministischer Wissenschaftsforschung sowie Trans, Crip und Mad Studies, mit besonderem Interesse für Materialitäts- und Zeitkonzeptionen sowie Mensch- und Subjektgrenzen.
Der Raum ist über Aufzüge erreichbar. Es gibt zwei barrierefrei Toiletten im 1. Stock (1.G40s und 1.G40h).
Auf der Etage befindet sich eine All Gender-Toilette (1.G40n) mit Steh- und Sitzklos. Im 2. Stock des CGC befindet sich außerdem eine FLINTA*-Toilette (2.G40q).
Das CGC bemüht sich um eine möglichst gute Barrierefreiheit seiner Veranstaltungen. Wenn Sie Assistenz benötigen, um an unserer Veranstaltung teilnehmen zu können, teilen Sie uns Ihren Unterstützungsbedarf bitte bis zum 29. April 2026 per Mail an: mit. Wir bemühen uns daraufhin, die aufgetretenen Barrieren im Rahmen unserer Möglichkeiten zu mindern.
Gerne können Sie an dieser Veranstaltung mit Ihren Kindern teilnehmen. Bitte wenden sich bis einen Monat vor der Veranstaltung an unsere oben genannte Mailadresse, falls Sie wünschen, dass wir uns außerdem um eine Kinderbetreuung bemühen. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.
