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»James Baldwin is everywhere«, war 2016 in Time zu lesen – kurz darauf war der amerikanische Schriftsteller auch im deutschsprachigen Raum »überall«. Was sagt uns die Begeisterung, mit der seine Werke knapp vierzig Jahre nach seinem Tod wiederentdeckt werden? Die enorme Bereitschaft, Baldwin, einst wichtige Stimme der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, als Stichwortgeber, Sinnstifter und Wegweiser zu begreifen? Und was heißt eigentlich »überall«? Auf Instagram, Postkarten und Stoffbeuteln spenden griffige, aus komplexen Kontexten herausgelöste Zitate Trost und Mut: auch dies ein Beitrag zum vielgestaltigen Diskurs über Race und Gender oder doch eher Indiz für dessen zunehmende Verengung? René Aguigah, der mit seinem Buch James Baldwin. Der Zeuge 2024 die erste deutschsprachige Monographie von James Baldwin vorlegte, und Miriam Mandelkow, Neuübersetzerin von Baldwins Werken seit 2018, sprechen mit Bettina Kleiner und Christiane Thompson über diesen Autor und Aktivisten: über die Gründe seiner Gegenwärtigkeit ebenso wie über Aspekte seines Werkes, die heute eine besondere Aktualität aufweisen.

© Thomas Marek
Miriam Mandelkow widmet sich seit knapp zehn Jahren der Neuübersetzung von James Baldwins Werken ins Deutsche. Geboren in Amsterdam, studierte sie Anglistik und Amerikanistik in Hamburg und den USA und wurde nach Jahren als freie Lektorin für internationale Belletristik Übersetzerin von Literaturen aus englischen Sprachen. Zu den von ihr übersetzten Autor:innen gehören Samuel Selvon, Ta-Nehisi Coates, David Vann, Richard Price, Eimear McBride and NoViolet Bulawayo. Ausgezeichnet mit dem Helmut-M.- Braem-Übersetzerpreis für die Neuübersetzung von Baldwins Debütroman Go Tell It on the Mountain (2020) und dem Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis für das übersetzerische Gesamtwerk (2025). Im vergangenen Wintersemester bekleidete sie die August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung am Szondi Institut der FU Berlin. Miriam Mandelkow lebt in Hamburg.
René Aguigah, Jg. 1974, hat Geschichte, Philosophie und Journalistik in Bochum und Dortmund studiert. Ende der Neunzigerjahre schrieb er als freier Journalist für die Kulturteile von taz, FAZ und Frankfurter Rundschau. Danach arbeitete er erst als Redakteur und Moderator bei WDR 3, dann als für Sachbuch zuständiger Redakteur der Zeitschrift „Literaturen“. 2010 begann er beim Deutschlandradio, wo er heute das Ressort „Literatur“ von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur leitet. 2013 bis 2015 war er Jurymitglied beim Preis der Leipziger Buchmesse. 2023 war er Fellow am Thomas Mann House Los Angeles. 2024 erschien „James Baldwin. Der Zeuge“ bei C. H. Beck.
