Der Vortrag diskutiert Erinnerung als gegenwartsbezogene und umkämpfte soziale Praxis und fragt nach den organisationalen und institutionellen Voraussetzungen von Erinnerungskonflikten. Bezugspunkt sind ethnographische Forschungen an NS-Gedenkstätten (DFG-Projekt InWiWa), an denen sich zeigen lässt, wie Erinnerung an die Gewaltgeschichte des Nationalsozialismus im Kontext der Vermittlung, Auslegung und Aneignung von Wissen hergestellt, verschoben und (de-)institutionalisiert wird. Die Analysen verbinden sich mit der Arbeit an zwei Begriffen: dem Konzept der Kontaktzone als Ort der Begegnung von (Wissens-)Differenz sowie dem Begriff der Übersetzung, der Erinnerung als Setzung, Verhandlung und Verschiebung des Vergangenen verstehbar macht. Auf diese Weise geraten insbesondere die materiellen, organisationalen und institutionellen Bedingungen von Räumen des Ringens um Erinnerung in den Blick. Dabei zeigt sich etwa, dass unterschiedliche Wissensbestände und Zugänge sowie Regeln ihrer Vermittlung in Kontaktzonen irritiert und verschoben werden und dass Fragen danach, wer erinnert, wozu erinnert wird und was erinnert oder vergessen wird, Ergebnis von Aushandlung, Positionierung und (De-)Institutionalisierung sind.

Nicolas Engel ist Erziehungswissenschaftler und Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik an der FAU Erlangen-Nürnberg. Zuvor war der Professor (W1TT) für Erwachsenenbildung und Organisationsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Promoviert hat er mit einer ethnographischen Arbeit zu Fragen des organisationalen Lernens im Kontext kultureller Übersetzung an der FAU. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in der Allgemeinen Pädagogik sowie in der pädagogischen Organisations- und Institutionalisierungsforschung. Aktuelle Forschungsprojekte befassen sich unter anderem mit einer „Erziehung nach Auschwitz“ in veränderten Konstellationen des Erinnerns, mit Dynamiken der (De-)Institutionalisierung von Erinnerung und Wissensvermittlung sowie mit Fragen von Gerechtigkeit, Diversität und Gleichheit im Kontext von Hochschulen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Arbeit an einer Pädagogik als kritische Kulturwissenschaft.
Der Raum ist über Aufzüge erreichbar. Es gibt zwei barrierefrei Toiletten im 1. Stock (1.G40s und 1.G40h).
Auf der Etage befindet sich eine All Gender-Toilette (1.G40n) mit Steh- und Sitzklos. Im 2. Stock des CGC befindet sich außerdem eine FLINTA*-Toilette (2.G40q).
Das CGC bemüht sich um eine möglichst gute Barrierefreiheit seiner Veranstaltungen. Wenn Sie Assistenz benötigen, um an unserer Veranstaltung teilzunehmen, teilen Sie uns Ihren Unterstützungsbedarf bitte bis zum 10.06.2026 per Mail an cgcentrum@soz.uni-frankfurt.de mit. Wir bemühen uns daraufhin, die aufgetretenen Barrieren im Rahmen unserer Möglichkeiten zu mindern.
Gerne können Sie an dieser Veranstaltung mit Ihren Kindern teilnehmen. Bitte wenden sich bis zum 10.06.2026 an unsere oben genannte Mailadresse, falls Sie wünschen, dass wir uns außerdem um eine Kinderbetreuung bemühen. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.

